Wir alle sind Liebende, Ergebene einer höheren Kraft, tausende von Liebenden, aber der Geliebte ist einer für alle. Er, nach dem wir uns sehnen, ist der Geliebte der ganzen Welt. Es gibt nicht einen speziellen Gott nur für Muslime, nur für Hindus, nur für Christen, Er ist der eine Gott für alle.

Sant Kirpal Singh

Gespräch mit Sant Kirpal Singh am Tag der Unabhängigkeit Indiens

 

Sant-Kirpal-Singh--17-August--1974Heute ist der Tag der Unabhängigkeit dieses Landes. Nach hundert Jahren wur­de diese Unabhängigkeit erlangt, seht ihr? Es ist gut so, die Menschen versuchen die Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten – ei­nige sind dafür, einige dagegen. Damit sind wir nicht so sehr befasst. Uns betrifft mehr unsere eigene Unabhängigkeit. Es hat hundert Jahre gebraucht, um die äuße­re Unabhängigkeit zu erlangen, aber seit Äonen, seit die Welt begann, sind wir im­mer noch im Exil, getrennt von unserem Zuhause, aus unserem Land verbannt. Bis jetzt wurden wir nicht frei von unseren Bindungen. Von Zeit zu Zeit wurde uns die goldene Gelegenheit gewährt, die Un­abhängigkeit wiederzugewinnen, aber aus dem einen oder anderen Grund nützen wir unglücklicherweise diesen menschlichen Körper nicht aufs Beste. Lasst die Ver­gangenheit ihre Toten begraben. Gott hat euch die goldene Gelegenheit, den mensch­lichen Körper gegeben, damit ihr die Un­abhängigkeit wiedererlangen könnt. Jetzt müssen wir sehen, inwieweit wir unab­hängig geworden sind.

Ich sagte eben, dass diese Knechtschaft vor Äonen begann, als wir in die Welt ge­sandt wurden. Als erstes wurden wir durch das Gemüt gefangengenommen. Wir sind der Sklave des Gemüts. Das Gemüt ist unter der Kontrolle der nach außen gehenden Sinne: Sehen, Hören, Geschmack, Riechen und Berührung. Durch diese Indriyas (physischen, außen gebundenen Sinneskräfte) hängen wir in den neun Toren des menschlichen Kör­pers fest, wir können uns selbst nicht von diesen Verstrickungen lösen. Wir sind mit dem Körper und der äußeren Welt so sehr identifiziert, dass wir uns selbst nicht davon befreien können. Zum Glück gibt es einen Weg nach oben, und der liegt in uns. Neun Tore sind geöffnet: zwei Au­gen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, ein Mund und zwei darunter – neun Tore. Es gibt auch ein zehntes Tor. Es ist in euch, es ist verborgen in euch, und man kommt zu seiner Schwelle, wenn man tief in die Dunkelheit des Körpers hineingeht, wenn ihr in den Fuchsbau eures Kopfes ein­tretet. Wo beginnt es also? Es ist so wie zur Zeit des Todes, wenn unsere Seele von außen zurückgezogen wird, dann von den nach außen gehenden Sinnen, von den neun Toren. Diese physischen, nach außen gehenden Sinneskräfte verlassen uns, sie sammeln sich hinter den Augen, und dort beginnt der Weg zum Fuchsbau des Kopfes oder dem zehnten Tor. Dort ist die Tür, an die ihr klopfen müsst und die euch auf getan wird. Auf der anderen Seite wartet natürlich die Meisterkraft auf euch. Warum wartet Er dort? Um das Mahl mit euch einzunehmen. Und ihr seid im Äußeren!

Dies beginnt hinter den Augen. Es herrscht tiefste Dunkelheit. Das ist der Weg in den Fuchsbau des Kopfes. Das ist der einzige Weg, um eure Unabhän­gigkeit zu erlangen: zuerst vom physi­schen Körper und den nach außen ge­richteten Sinnen, dann vom astralen Kör­per und den astralen Sinnen, und dann vom Kausalkörper und den kausalen Sin­nen. Dies sind die drei Umhüllungen, durch die wir gebunden sind. Könntet ihr euch über all diese drei erheben, hättet ihr eure Unabhängigkeit erlangt. Dazu müsst ihr euch über die neun Tore des Körpers erheben. Dieser Weg liegt in euch.

Ihr seid Mensch, geboren als Mensch mit denselben Vorrechten von Gott. Es gibt kein hoch, kein niedrig, kein Ost, kein West. Ihr seid bewusste Wesen, um­geben von Gemüt, Materie und den nach außen gehenden Sinnen, und ihr habt euch so sehr mit der Materie identifiziert, dass ihr euch selbst nicht getrennt davon sehen könnt. Wenn ihr euch selbst (am Arm) anfasst, dann spürt ihr es. Deshalb muss man seine Aufmerksamkeit vom Körper, von den nach außen gehenden Sinnen, den neun Toren, zurückziehen.

Wie? Wenn ihr nach innen schaut– schaut einfach nur nach innen in die Mitte der Dunkelheit, die vor euch liegt. Wenn die physischen Augen geschlossen sind, dann gibt es dort das innere Auge oder Ein­zelauge, das geöffnet ist, um das Licht im Innern zu sehen. Man kann nach in­nen schauen. Die undurchdringliche Dun­kelheit des Körpers wird durchdrungen. Wenn ihr aufhört, alles, was von außen kommt, zu hören, dann beginnt ihr im In­neren zu hören – in euch. Der Spieler, un­ser gesegneter Gott, spielt die ganze Zeit über diese Musik, ohne Bezahlung. Ihr braucht dafür kein Geld. Er wartet immer auf euch, um euch die Musik hören zu lassen, die beständig in euch erklingt. Wenn ihr aufhört, Gerüche im Äußeren wahrzunehmen, wird der Duft, den ihr im Inneren erhaltet, wie Jasmin sein. Das werdet ihr nur erlangen können, wenn ihr euch über den physischen Körper erhebt, nicht vorher.

Erhebt euch über den äuße­ren Geschmackssinn und versucht, das Elixier von Naam, das Brot und Wasser des Lebens in euch zu kosten. Wenn ihr mit der klingenden Strahlung in euch – der Verbindung mit Gott in euch – in Ver­bindung kommt, werdet ihr frei von den physischen Bindungen. Aber das ist kei­ne vollständige Unabhängigkeit, es ist erst der erste Teil. Der zweite Teil beginnt, wenn man sich über den astralen Körper und die astralen Sinne erhebt. Der drit­te Teil ist dann, wenn man sich wieder­um über den kausalen Körper erhebt. Er­hebt euch über sie alle, dann werdet ihr wirklich eure Unabhängigkeit erlangen. Im Moment seid ihr alle gebunden.

Die einzige Schwierigkeit liegt in uns selbst. Zuerst herrscht Dunkelheit, tief­ste Dunkelheit. Wenn man diese physi­schen Augen schließt, nehmen sie nichts wahr. Deshalb muss das innere Auge geöffnet werden. Das Einzelauge wird von jemandem geöffnet werden, dessen inneres Auge geöffnet ist. Wie? Richtet die Aufmerksamkeit in die Dunkelheit in euch, in die Mitte. Schaut unverwandt, jeden Augenblick, durchdringend, um her­auszufinden, was dort ist. Das Licht wird aufdämmern, euer Auge wird geöffnet: "Wenn dein Auge einfältig wird, wird dein ganzer Leib voll Licht sein." Das ist der erste Teil. Der zweite Teil ist Seine Gegenwart, und im dritten Teil wird man schließlich vollkommene Unabhängigkeit erlangen. Heute ist also der Tag der Un­abhängigkeit für das Land, für uns aber war es ein Tag der Unabhängigkeit im menschlichen Körper.

Eine unserer Schwierigkeiten ist, dass wir unsere Aufmerksamkeit nicht von al­lem Äußeren zurückziehen können. Un­sere Aufmerksamkeit ist so sehr mit der Welt identifiziert, dass wir unser eigenes Selbst vergessen haben. Es sollte jeman­den geben, der uns einen Auftrieb gibt, der uns erhebt. Hunderte mögen kom­men, meditieren und von außen zurück­gezogen werden. Das ist der Teil, den der Meister tut. Das ist der erste Schritt.

Im menschlichen Körper mögt ihr ir­gendeiner sozialen Gemeinschaft an­gehören, aber zu diesem Zweck braucht ihr jemanden, der euch demonstrieren kann, wie man die Aufmerksamkeit von außen zurückzieht und wie man die nach außen gehenden Sinne nach eigenem Wil­len und Belieben lenkt. Wir werden wahl­los (nach außen) gezogen. Das ist keine Unabhängigkeit.

Das ist die Hilfe, die ihr von Gott, von oben, erhaltet. Er wohnt in jedem Her­zen. Er ist hier oder dort offenbar. Sol­che Seelen werden gesandt, um die Men­schenkinder zurück zu Gott zu führen. Das ist Gottes Gnade. Er schenkt uns voll­kommene Unabhängigkeit.

Man hat euch zwar den ersten Schritt machen lassen, aber leider wart ihr nicht erfolgreich. Seid ihr erfolgreich gewesen? Seid ihr jetzt von den nach außen ge­henden Sinneskräften beeinflusst? Ja oder nein? Zieht euch von außen zurück, dann ist es in Ordnung. Jetzt können euch die Dinge im Äußeren noch anziehen. Es ist aber nur möglich, wenn eure Aufmerk­samkeit vollkommen von allem Äußeren zurückgezogen wird und man sich selber vergisst. Die äußeren Dinge werden einen dann nicht anziehen. Der Körper ist dann bis hierher (dem Augenbrennpunkt) tot, alle nach außen gehenden Sinnesströme sind hier oben gesammelt, die der Augen, Ohren, usw. Solange man im Bereich der Täuschung ist, wird man immer nach außen gezogen. Es gibt einen Weg: das zehnte Tor, das in euch allen liegt. Dort braucht ihr jemanden, der euch einen Auftrieb geben kann. Durch regelmäßi­ge Übung werdet ihr dann ein Adept. Der Beweis davon wird euch vom Meister ge­geben, dann erhebt ihr euch ganz einfach nach Belieben. Eure Augen mögen offen sein, aber ihr werdet nicht sehen. Es kann sein, dass ihr so zurückgezogen seid, dass ihr nichts hört, selbst wenn euch jemand ruft. Wenn ihr diese Art der Unabhän­gigkeit erlangt habt und euch nach eige­nem Willen und Gefallen erheben könnt, dann werdet ihr ein Gurmukh genannt. Dies ist der erste Schritt der Unabhän­gigkeit, den ihr erlangen werdet.

Noch haben wir die vollkommene Un­abhängigkeit nicht erreicht. Ihr seid es, die diese Unabhängigkeit erlangen müsst, nicht der Körper, nicht die nach außen ge­henden Sinneskräfte. Deshalb sagten die Meister: "Mensch, erkenne dich selbst!" Ihr müsst die Unabhängigkeit erlangen. Und weitere Führung wird durch den Meister in euch gegeben. Er führt im Äußeren, Er führt auch im Inneren. Ihr seid niemals allein. Wenn Er euch in die­ses Mysterium initiiert, dann bleibt Er ein für alle Mal bei euch und verlässt euch niemals, bis ans Ende der Welt. Keine Macht irgendeiner Kraft kann euch Sei­nen Händen entreißen. Und außerdem war es von Geburt an vorherbestimmt. Ihr habt es allein durch glückliche Umstän­de in der Vergangenheit verdient. Wenn ihr euch vollkommen zurückgezogen habt, könnt ihr auch im Inneren fort­schreiten, direkt unter der Führung des Meisters in euch. Aber bevor ihr euch nicht zuerst zurückgezogen habt, könnt ihr es nicht.

Deshalb ist Para Vidya der Weg zur vollkommenen Unabhängigkeit. "Ich bin der Herr meines ganzen Körpers." Wie viele Diener habt ihr erhalten? Zehn Die­ner müssen euch gehorchen. Sie gehor­chen unseren Anweisungen nicht. Jetzt werden wir von diesen Dienern hin und her gezogen. Entscheidet euch zu den Füßen des Meisters für die Unabhän­gigkeit. Zieht eure Aufmerksamkeit von außen zurück, dann öffnet sich euer in­neres Auge und Gehör. Jetzt sind nur die äußeren Sinne geöffnet.

Wie viele hier wurden auf den Weg ge­stellt? Hat auch nur einer von euch eine Klasse durchlaufen, einen der Schätze der Unabhängigkeit erlangt? Nein. Seid fröh­lich, freut euch. Wann? Wenn ihr zu­mindest einen Teil der Unabhängigkeit erlangt habt; dann den zweiten, dann den dritten. Wenn ihr vollkommene Unab­hängigkeit erlangt habt, wird die ganze Welt sich mit euch freuen, seht ihr. Lernt zu sterben, damit ihr zu leben beginnen könnt. Das ist mit 'zweimal geboren wer­den' gemeint. Ihr müsst im Namen Got­tes, der in euch ist, wiedergeboren wer­den. Eine Demonstration dieses Wie­dergeborenwerdens wird von jemandem gegeben, der kompetent ist. Nehmt täg­lich das Kreuz Christi auf euch. Christus sagte: "Jene, die nicht täglich das Kreuz auf sich nehmen, sind nicht meine Schüler." Wie weit habt ihr das erlangt?

Heute ist der 15. August. Die Feiern zum Unabhängigkeitstag wurden in der Stadt abgehalten. Ihr habt sicher im Fern­sehen die große Menge gesehen, als die Rede gehalten wurde. Dies (hier) ist der Satsang. Hier halten wir keine Feier ab, aber ich erkläre euch, wo eure wahre Un­abhängigkeit liegt. Erreicht zumindest den ersten Teil davon, und behauptet erst dann, dass ihr unabhängig seid. Wie viele sind da, die den zweiten Teil der Un­abhängigkeit durchlaufen haben? Hebt die Hand, bitte! Es gibt sehr wenige. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Erlangt vollkommene Unabhängig­keit. Um damit zu beginnen, müssen wir den ersten Teil der Unabhängigkeit er­langen. Und dieser ist, sich über das Körperbewusstsein zu erheben. Wir sollten un­ser äußerstes versuchen, um diesen spi­rituellen Weg wiederzufinden, während wir in diesem irdischen Körper sind. Das ist die goldene Gelegenheit. Die Zeit und die Flut warten auf niemanden. Jene, die die vollkommene Unabhängigkeit wol­len, sollen ihre Hand heben.

Es gibt keinen, der sie nicht will. (Mei­ster lacht) Durch Hinauszögern wird die Zeit verschwendet. Das steht in den Veden. Hinauszögern heißt, etwas auf mor­gen zu verschieben, das man heute tun könnte. Das steht uns im Weg. Das ist der größte Stolperstein auf dem Weg. Beginnt eure Reise, verlasst euer Haus (Körper), erreicht das Ziel. Sterbt unterwegs – nicht am Tor eures Hauses – oder sterbt am Tor zu eurem Ziel.

Wenn ihr den ersten Teil der Unab­hängigkeit erlangt habt, werden euch die Leute zuströmen. Wenn ihr den dritten Teil der Unabhängigkeit erlangt habt, wird die ganze Welt nach euch aus sein, versteht ihr? Sagt euch das zu? Was lässt euch zögern? Schüttelt die Gewohnheit des Hinauszögerns ab. Heute morgen musstet ihr warten, es tut mir leid, aber dankt Gott, es ist in euch. Jetzt wurde euch der Weg erklärt. Versucht, es zu verstehen, und er­langt diese Unabhängigkeit, die euch im menschlichen Körper erwartet. Gut, Gott segne euch alle.