Von Sant Kirpal Singh, während Seiner ersten Weltreise 1955 in Philadelphia


Gott schuf den Menschen und der Mensch alle Religionsgemein­schaften; und der Zweck der Religionsge­meinschaften ist die Erhebung des Men­schen. Die Menschen werden mit glei­chen, von Gott gegebenen Vorrechten ge­boren, ungeachtet dessen, ob sie dem ei­nen oder anderen Land, der einen oder anderen Religion angehören. Wir müssen den besten Gebrauch von den Religions­gemeinschaften machen, um alles über den Menschen erfahren zu können.

Unser höchstes Ziel ist, Gott zu er­kennen.

Vorher müssen wir uns selbst erken­nen, und dann werden wir Gott erken­nen. Alle Schriften sagen, dass wir Gott lieben sollten, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft. Wenn wir Gottliebende sind, müssen wir die ganze Menschheit lieben, da Er in je­dem Herzen wohnt. Jene, die mit Gott in Verbindung kamen, wurden durch ihre Liebe zu Ihm zum Sprachrohr Gottes – zum Gott im Menschen oder Gottmen­schen. Wir lieben auch alle heiligen Stät­ten der Verehrung, da sie zum Lobpreis des Einen Herrn gedacht sind; und gleich­falls alle Wallfahrtsorte, weil dort ein Gottliebender lebte, einer, der mit Gott eins geworden war und Sein Sprachrohr wurde. So lieben wir alle anderen um der Liebe Gottes willen. Wenn wir nur Gott lieben und den einen oder anderen Mei­ster herabsetzen, das eine oder andere hei­lige Buch ablehnen oder auch andere Menschen hassen, lieben wir dann Gott wirklich? Sicherlich nicht, denn Gott wohnt in jedem Herzen, und Er ist unser endgültiges Ziel. Das letzte Ziel aller Reli­gionen ist ebenfalls Gott. Wie kann dann ein Anhänger dieser oder jener Religion irgend jemanden hassen? Wir leben nicht nach dem was in den Schriften steht, denn sonst würden wir sofort erkennen, dass dies unvereinbar ist. Wenn wir nach diesen beiden Geboten leben: "Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit deiner ganzen Kraft" und "Liebt alle Men­schen, da Gott in jedem Herzen wohnt", dann wird das Reich Gottes auf die Erde herabkommen. An diesen beiden Gebo­ten hängen alle anderen Gebote, und alle Propheten haben sie hervorgehoben. Sie alle stimmen in diesen beiden grundle­genden Lehrsätzen überein.

Nun wollen wir weiter untersuchen: "Was ist der Mensch?" Bevor der Mensch sich nicht selbst erkennt, kann er Gott nicht erkennen. Alle Schriften, die wir heute besitzen, sagen uns:

"Mensch, erkenne dich selbst."

Sie sagen nicht: "Erkenne andere." Warum? Wer seid ihr? Was seid ihr? Seid ihr dieser 1,60 m oder 1,80 m große Körper, den ihr habt? Das heißt nicht, euch selbst zu erkennen. Ihr werdet ein­sehen, dass die Zeit kommt, wo ihr den physischen Körper – diese Hülle aus Lehm, die dem Verfall unterliegt – ab­legen müsst. Der Körper bleibt zurück wie ein Klumpen Erde, um verbrannt oder begraben zu werden. Wenn ihr auch noch so viel über euer physisches Selbst wisst, bedeutet das noch nicht, dass ihr euch selbst erkennt. Die Griechen und Ägypter hatten auf ihre Tempel die Worte geschrieben: "Gnothi Seauton". Die Upanishaden sagen: "Erkenne dich selbst." Und Guru Nanak erklärte: "So­lange du dich nicht selbst erkennst, bist du nicht imstande, Gott zu erkennen." Diese ganze Täuschung, in der ihr euch befindet, kann nicht so leicht beseitigt werden. Stimmt es nicht, dass ihr der Täuschung unterliegt? Ihr seht, dass die anderen den gleichen Körper haben wie ihr, und ihr könnt mit euren eigenen Au­gen sehen, dass irgend etwas diesen Kör­per (beim Tod) verlässt und er verbrannt oder beerdigt wird. Ihr habt ebenfalls ei­nen solchen Körper. Wenn ihr auch viel über euren physischen Körper wisst, folgt daraus nicht, dass ihr euch selbst kennt.

Vor dieser Frage stehen wir seit Anbe­ginn der Welt. Wir wissen soviel über unser äußeres Selbst – wie wir unseren Körper erhalten, unsere Familie ernäh­ren, in Staat und Gesellschaft leben. Wir haben eher zu viel an den Körper und seine Beziehungen gedacht, sind aber nie nach innen gegangen, um den inneren Menschen, das innere Selbst zu sehen, zu sehen, wer wir sind und was wir sind. Ehe der Schüler nicht sein eigenes Bewusstsein öffnet, kann der Lehrer nichts vermitteln. Er kann nur leiten, beraten und erklären. Verstehen kann aber nicht übermittelt werden, es muss durch die ei­gene Entwicklung von innen kommen. Der Lehrer gibt euch eine Erfahrung da­von, wie ihr euch selbst erkennen und se­hen könnt, dass ihr nicht der Körper seid. Damit müsst ihr beginnen. Wenn ihr aber auf diese Weise, in Übereinstimmung mit der Führung und Hilfe, die der Meister euch gibt, arbeitet, werdet ihr eines Tages erkennen, dass die Wirk­lichkeit in euch ist. Alle Seelen sind ihrer Natur nach göttlich. Sie sind die vielen Tropfen aus dem Meer der Gottheit, doch von Gemüt und Materie eingeengt. Sie können sich, so wie sie jetzt sind, nicht erkennen, können nicht unterschei­den, wer sie sind.

Welches ist das größte Studium des Menschen? Ist es die Theologie? Ich würde sagen, nein. Ist es die Kenntnis des Gesetzes von Blackstone und anderer großer Menschen der Vergangenheit? Auch hier ist die Antwort: Nein. Ist es das Studium der Werke von Männern wie Shakespeare, Milton, Dickens, Burns? Nein. Ist es der Okkultismus oder der Buddhismus, das Christentum, der Sikhismus oder irgendeine andere Religion, die wir erforschen mögen? Ist solches Wissen das höchste Ziel mensch­lichen Studiums? Wieder würde ich sa­gen, dass die Antwort nein ist. Warum? Wenn man mit all den Schriften, die von den Meistern hinterlassen wurden, ver­traut ist – wovon sprechen sie? Sie spre­chen vom Menschen. "Mensch erkenne dich selbst!" Das Erkennen des Men­schen, sowohl seines äußeren als auch seines inneren Aspekts, ist daher unser wichtigstes Studium. Das höchste Studi­um des Menschen ist der Mensch. Der englische Dichter Pope sagte: "So erken­ne dich selbst, und maße dir nicht an, Gott zu ergründen; das wahre Studium des Menschen ist der Mensch."

Solange man nicht den Menschen kennt, ist alles übrige nichts als Unwissenheit und Aberglaube.

Je mehr man die Schriften rein äußer­lich studiert, desto mehr stellt man fest, dass sie Ansammlungen von Gedanken und Ansichten sind, die andere zum Ausdruck brachten. Nehmen wir an, dass ihr mit all den Schriften, die wir heute besitzen, völlig vertraut seid. Was spielt das für eine Rolle? Wie ich schon sagte, sind wir im 20. Jahrhundert sehr begünstigt, da alle Meister, die in der Vergangenheit kamen, uns ihre Erfah­rungen von sich und von Gott hinterlas­sen haben. Welche Dinge halfen ihnen, und was stand ihnen bei der Verwirk­lichung im Wege? Das ist der Inhalt aller Schriften. Selbst wenn ihr all das wisst, seid ihr damit zufrieden? Es bedeutet le­diglich etwas zu besitzen, wie eine in eu­rem Kopf angehäufte Ware: der und der Meister sagte dieses, das eine oder ande­re Buch berichtet jenes, die und die Schriften sagen es so. Das ist nicht das Göttliche. Es bedeutet nicht mehr, als gewisse Tatsachen über das Göttliche zu wissen, über unsere göttliche Natur, wel­che die Meister in sich selbst und mit Gott erfahren haben. Auch wenn ihr alle Bücher studiert, werdet ihr nicht in der Lage sein, euch selbst zu erkennen. Ihr erhaltet natürlich gewisse Kenntnisse, und ihr werdet vieles aus den verschiede­nen Büchern zitieren können. Aber wer­det ihr imstande sein, euch selbst zu er­kennen? Nein. Der englische Dichter Eliot sagt: "Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben, wo ist das Wissen, das uns in der bloßen Informa­tion abhanden kam?"

Das Selbst zu erkennen ist eine Folge der Selbstanalyse – in der Praxis, nicht in der Theorie.

Wir sehen viele Menschen, die be­haupten: "Ich bin nicht der Körper. Ich bin nicht der Verstand. Ich bin nicht die Lebensenergien oder 'Pranas'. Ich bin nicht die Sinnesorgane." Das ist in Ord­nung. Aber haben wir uns jemals prak­tisch analysiert, indem wir das Körperbewusstsein überstiegen und selbst sahen, dass wir etwas anderes als der physische Körper, der Verstand, die Lebensener­gien und die Sinnesorgane sind? Sie alle machen den äußeren Menschen aus und nicht das innere Selbst. Habt ihr euch je über das Körperbewusstsein erhoben und eine Ersthand-Erfahrung von eurem Selbst gehabt? Ihr werdet sehr wenige Menschen finden, die dies wirklich er­reicht haben.

So besteht also euer Studium des Menschen nur darin, euren Kopf mit ge­wissen Kenntnissen zu füllen. Manchmal lest ihr die Schriften. Der Zweck sie zu lesen besteht darin, dass ihr Informatio­nen darüber bekommt, was die Meister über sich selbst und Gott erfahren konn­ten, um auch euch dabei zu helfen, euer Selbst zu finden. Das Studium solcher Schriften wird also lediglich ein gewisses Interesse in euch erwecken, um euch selbst zu erkennen und Gott zu erkennen – jedoch nicht mehr.

Ich meine nicht, dass man die Schrif­ten nicht lesen sollte. Sie sollten gelesen werden, und zwar ganz aufmerksam. Das Studium der Schriften ist der erste, grundlegende Schritt, der in uns ein In­teresse dafür wecken wird, dass dieser oder jener Meister göttliches Licht in sich sah. Können auch wir das Licht se­hen? Ja, auch wir können es, denn was einem Menschen möglich war, kann auch ein anderer erreichen, natürlich mit der rechten Führung und Übung.

Ich sagte euch also, dass die Meister das Licht Gottes gesehen haben. Die ih­nen folgten und nach dem lebten, was sie sagten, hatten während ihres eigenen Le­bens genau die gleiche Erfahrung, wenn auch auf verschiedenen Stufen. Ihr soll­tet während eures menschlichen Lebens in der Lage sein, das Licht Gottes zu se­hen. Wenn ihr es gesehen habt, wird sich euer ganzes Leben ändern.

Ihr könnt es jedoch erst sehen, wenn ihr euch über das Körperbewusstsein erhebt. Es ist eine Sache der Praxis.

Was gibt es nun zu tun? Was kann er­reicht werden, wenn man die Wahrheit versteht, das heißt, sich selbst erkennt und eine Ersthand-Erfahrung des Selbst und des Überselbst hat? Allein das wird uns frei machen. Diese Dinge können wir nur erlangen, wenn wir uns wirklich erhoben haben, wenn wir von neuem ge­boren wurden. Christus sagt: "Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen." Zur Erläuterung fährt er fort: "Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen." Im 1. Korintherbrief lesen wir: "Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben." Petrus erklärt: "... als die da wiederge­boren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Got­tes, das da ewiglich bleibt."

Es ist sicher, dass wir – wenn wir nicht von neuem geboren werden – weder das Reich Gottes sehen noch es betreten oder ererben kön­nen.

Mit anderen Worten, wir können we­der eine Ersthand-Erfahrung von uns selbst noch von Gott erlangen, da unser inneres Auge – das dritte Auge oder Einzelauge genannt – welches uns befä­higt, das Licht Gottes zu sehen, nicht ge­öffnet ist. Das Lesen der Schriften allein wird nicht helfen. Aber studiert die Schriften sorgfältig, denn sie sprechen von den praktischen Erfahrungen, die die Meister von sich selbst und von Gott hatten. Solange wir nicht diese Schriften unter der Führung von einem studieren, der selbst die gleichen Erfahrungen ge­macht hat, von denen darin berichtet wird, werden wir ihren wahren Sinn nicht verstehen können. Was sagt Plutarch? Er sagt: "Die gleichen Erfahrun­gen, die die Seele beim Verlassen des Körpers hat, werden von jenen gemacht, die in die Geheimnisse des Jenseits einge­weiht sind." Eines Tages müsst ihr den Körper verlassen. Ich denke, das ist ein sehr klarer Beweis oder ein Zeugnis da­für, dass ihr nicht dieser Körper seid, über den ihr soviel wisst .

Mit Selbsterkenntnis ist gemeint, das innere Selbst zu erkennen, das geistige Selbst, das spirituelle We­sen, das den Körper beim Tod verlässt.

Man kann sagen, dass dieser physische Körper beim Tod – der großen, endgül­tigen Umwandlung – zerfällt. Aber ihr sterbt nicht. Ihr müsst eines Tages, ob ihr es wollt oder nicht, den Körper und alle Dinge, die mit dem Körper zusammen­hängen, verlassen. Worin liegt also die größte Weisheit? Im Erkennen eures Selbst; zu wissen, wer ihr seid und was ihr seid. Solange ihr euch nicht selbst er­kennt, könnt ihr Gott nicht erkennen. Wer sich selbst erkennt, wird auch Gott erkennen, denn es ist allein die unbe­grenzte Seele, die Ihn erkennen kann, nicht der begrenzte Verstand. Man kann Ihn nicht mit dem begrenzten Verstand erfassen. Dryden sagt: "Wie kann das Geringere das Größere begreifen, wie der begrenzte Verstand die Unendlich­keit erreichen?"

Wir können Ihn nicht sehen. Er ist nicht zu erforschen mit unserem Ver­stand, unseren Sinnesorganen, oder un­seren nach außen gehenden Fähigkeiten. Selbst mit dem größten Vorstel­lungsvermögen kann Er nicht erfasst werden. Es ist allein die Seele, der sich Gott offenbart.

Wenn wir uns nicht selbst analysieren, uns selbst sehen – uns erkennen – können wir Gott nicht sehen. Selbster­kenntnis geht der Gotterkenntnis vor­aus. Wir wollen nun weitersehen, welche Hilfe wir für diesen Zweck bekommen können.

Von außen betrachtet, stellen wir fest, dass der Körper so lange lebt, wie die Seele, der Bewohner des Hauses, bei ihm ist. Aber es kommt die Zeit, wo wir den Körper verlassen müssen. Das ist der Tag der großen, letzten Umwandlung oder des Todes. Aber fürchtet euch nicht, er ist kein Schreckgespenst. Ich habe euch gesagt, dass das größte Studi­um des Menschen der Mensch ist. Wo­her kamen alle Schriften? Natürlich vom Menschen – von einem Menschen der Verwirklichung. Wahrlich groß ist der Mensch. Woher kamen alle Erfindun­gen? Vom Menschen. Die Gottheit, die uns eine Ersthand-Erfahrung von Gott gab, indem sie durch die menschlichen Pole wirkte, die wir Meister nennen, wurde ebenfalls durch den Menschen zum Ausdruck gebracht. Der Mensch ist groß, und das größte Studium für einen Menschen ist der Mensch selbst. Wer seid ihr? Was ist es, das diesen Körper belebt, und was ist es, das ihn verlässt? Solange das innere Selbst oder geistige Selbst an den Körper gebunden ist und durch den Körper wirkt, lebt ihr, bewegt ihr euch. Aber die Zeit kommt, wo ihr den Körper verlassen müsst. Das ist das Schicksal, das jeden von euch erwartet. Von dieser Regel gibt es keine Ausnah­me. Alle Könige und Untertanen, Arme und Reiche, die Weisen und die Unwis­senden und selbst die Meister haben den Körper zu verlassen. Wie könnte es da in eurem Fall eine Ausnahme geben? Wenn das so ist – seid ihr bereit für diese letzte Umwandlung? Wenn nicht, müsst ihr euch darauf vorbereiten. Zu diesem Zweck müsst ihr das Mysterium des Le­bens lösen, solange noch Zeit ist. Ihr müsst euch selbst erforschen.

Wer ist der wirkliche Mensch im Körper? Bevor ihr das nicht wisst, könnt ihr keinen Frieden finden.

Buddha, der erst Gautama hieß, war ein Prinz, und wurde erzogen wie ein Prinz, inmitten von Luxus und Reich­tum. Einmal besuchte er die Stadt, die für seinen Empfang schön geschmückt worden war. Als er in einem Wagen durch die Straßen fuhr, sah er einen al­ten Mann mit hagerem Gesicht, eingefal­lenen Augen und schwankender Gestalt. Er bewegte sich mit Hilfe eines Stockes unsicher vorwärts. Der Prinz schaute den alten Mann an und fragte den Wa­genlenker: "Was ist das?" – "Das Al­ter, Herr! Der Körper muss alt und ge­brechlich werden", erwiderte der Fahrer. Das erschütterte ihn sehr. Als sie weiter­fuhren, sah er einen Sterbenden, der nach Atem rang, und er fragte wieder, was das sei. Der Wagenlenker antworte­te: "Ja, Herr, wir müssen sterben und den Körper zurücklassen. Dieser Mann stirbt. Er ringt nach Atem." Das machte den Prinzen noch trauriger und nach­denklicher. Er sann darüber nach, ob dies das Los unserer schönen Körper sei. Der Fahrer brachte ihn aus der Stadt heraus, um hässlichen Anblicken aus dem Wege zu gehen. Aber außerhalb der Stadt sah der Prinz vier Männer, die ei­nen Leichnam trugen. Er fragte natür­lich, was das wäre, und erhielt die Ant­wort: "Ja, Herr, wir müssen den Körper verlassen." Das machte den Prinzen noch schwermütiger. Er rief aus: "Es ist seltsam, dass wir eines Tages unsere schönen Körper verlassen müssen; aber was ist es, das ihn verlässt?"

Das war der größte Tag in Gautamas Leben. Er erwachte und fragte sich, was es sei, das den Körper belebt. Auch wir haben den gleichen Körper. Wir waren Zeuge vieler Verbrennungen und Be­gräbnisse. Wir haben einer großen An­zahl von Bestattungen unserer Freunde und Verwandten beigewohnt, aber das Mysterium des Lebens hat uns, anders als es bei Gautama der Fall war, nie be­eindruckt. Gautama kehrte heim. Es wurde ihm ein Sohn geboren. Das ist gewöhnlich ein sehr schöner Tag. Aber er war in das Ge­heimnis des Lebens vertieft. Er verließ sein Heim, seine Frau und seinen Sohn, um die Lösung für das Rätsel des Lebens zu suchen: "Was bin ich? Wer ist es, der den Körper verlässt?"

Solange das innere Selbst in diesem physischen Körper wirkt, sind wir am Leben, wir sprechen, denken und bewe­gen uns. Verlässt es aber den Körper, wird er verbrannt oder begraben. Nie­mand behält den toten Körper, er wird so bald wie möglich aus dem Haus ge­bracht. Dies ist das Problem, das sich uns stellt. Wir müssen es mit gebühren­der Aufmerksamkeit und in aller Ruhe betrachten, um herauszufinden, was es ist: "Wer bin ich? Was bin ich?" Jene, die es erkannten und das Mysterium des Lebens ergründet haben, vollbrachten eine wunderbare Leistung. Woher ka­men die Schriften? Aus dem Innern, aus dem Innern des Menschen. Woher ka­men all die Erfindungen, die wir haben? Aus dem Innern des Menschen, nicht von außerhalb.

Die größte Aufgabe, die vor uns liegt, ist: sich selbst zu erkennen, zu erkennen, wer wir sind und was wir sind. Wir ha­ben gesehen, dass das Los des physischen Körpers der Tod ist. Bei dieser letzten Verwandlung verlässt der Bewohner das 'Körperhaus'.

Wir sind nicht der Körper, wir sind der Bewohner des Körpers, den wir durch unsere Gegenwart beleben.

Unser erster Begleiter ist von Geburt an der physische Körper, der sich jetzt entfaltet hat und erwachsen ist. Wenn wir sterben, wird er zurückgelassen. Er geht nicht mit uns. Wie können dann andere Dinge, die aufgrund unseres Kör­pers mit uns in Verbindung kamen, uns in die andere Welt folgen? Wenn wir uns das vor Augen halten, wird sich der ge­samte Blickwinkel ändern. Gegenwärtig betrachten wir alles von der Ebene des Körper aus. Wenn wir uns jedoch selbst erkennen und wissen, dass wir der Be­wohner des Körpers sind, wandelt sich der ganze Blickwinkel. Ihr werdet dann von der Ebene der Seele aus sehen, nicht von der des Körpers.

Bislang arbeiten wir unter falschen Voraussetzungen. Wir sammeln Schätze auf Erden. Wir schaffen Häuser, Bau­werke oder häufen anderen Besitz an und legen so viel Geld zurück, wie nur möglich, ohne auch nur einen Augen­blick daran zu denken, dass wir den Kör­per und alle irdischen Güter aufgeben müssen. Das ist der Grund, warum die Meister, wenn sie kommen, unsere Auf­merksamkeit einzig auf die wichtigste Tatsache lenken: die Unvermeidbarkeit des Todes, worüber wir ganz unwissend sind, und die wir vergessen. Trotz all un­serer intellektuellen Errungenschaften handeln wir, als ob wir die Welt oder den Körper nie verlassen müssten. Des­halb sagt Christus: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden ..." Warum nicht? " ... da sie die Motten und der Rost fressen und da die Diebe nachgra­ben und stehlen." Was sollen wir statt­dessen tun? "Sammelt euch Schätze im Himmel, da sie weder Motten noch Rost fressen und da die Diebe nicht nachgra­ben noch stehlen."

Was haben wir für die andere Welt ge­tan? Wir werden diesen Körper eines Ta­ges verlassen. Haben wir je daran ge­dacht? Was können wir mitnehmen, wenn wir ihn verlassen?

Als Königin Noor Jahan sterben soll­te, so wird uns erzählt, sagten die sie be­treuenden Ärzte zu ihr: "Majestät, Ihr müsst jetzt in die andere Welt gehen." Vielleicht war ihr nie bewusst geworden, was die andere Welt ist. Sie sagte ein­fach: "Nun gut, wie viele Leute werden mich begleiten, wenn ich dorthin gehen muss?" Ein Arzt gab ihr zur Antwort: "Majestät, keiner kann mit Euch kom­men. Ihr müsst ganz allein gehen."

Seht nur diese Unwissenheit! Verstan­desmäßig wissen wir alle, dass der Tod unvermeidbar ist, dass er alle einholt, aber haben wir uns je wirklich klarge­macht, dass wir selbst auch sterben wer­den? Haben wir je ruhig darüber nach­gedacht, wer es ist, der den Körper verlässt und wohin er geht? "Erkenne dich selbst" ist die große Notwendigkeit, die alle Heiligen betont haben.

Wenn ihr den inneren Menschen erkennt, der den Körper verlässt, dann wisst ihr etwas, das eure Bewusstseinsstufe völlig verändern wird.

Ich bin aus Indien hierher gekommen. Ich weiß, ich muss wieder dorthin zu­rückkehren. Im Flugzeug sind nur 20 kg Gepäck erlaubt. Alles, was diese Grenze überschreitet, werde ich zurücklassen müssen. Was soll ich also tun? Soll ich viele Dinge ansammeln, um sie mitzu­nehmen? Wie kann ich sie mitnehmen, wenn ich nicht mehr als 20 kg mitführen kann? Ebenso können wir nicht einmal den Körper mit uns nehmen, wenn wir in die andere Welt gehen, ganz zu schwei­gen von allem anderen Besitz.

So gibt es also zwei Aspekte, die wir bedenken müssen. Erstens, dass wir Pil­ger auf dieser Welt sind, in der wir eine bestimmte Zeitspanne, sei sie länger oder kürzer, zu verbringen haben.

Es ist nur ein vorübergehender Aufenthaltsort, den wir eines Ta­ges verlassen müssen.

Es ist so, wie wenn man sich auf dem Weg zu einem Bestimmungsort befindet. Unterwegs bricht die Nacht herein, und ihr haltet an, um sie in einem Hotel zu verbringen. Früh am Morgen verlasst ihr es wieder, um euer Ziel zu erreichen. Habt ihr je bedacht, dass ihr so lebt, als würdet ihr für ewig auf dieser Welt blei­ben? Habt ihr jemals an den Tod ge­dacht? Der zweite Aspekt ist:

Der Mensch besteht aus dem phy­sischen Körper, dem Verstand und der Seele.

Wir wissen soviel über unseren physi­schen Körper. Wir wissen viel darüber, wie er zu erhalten ist. Wir wissen soviel über unsere familiären Beziehungen, unsere Kinder, unser gesellschaftliches Le­ben usw. Wir haben uns intellektuell wunderbar entwickelt. Wir haben das Fernsehen, wir können in der Luft flie­gen. Dies alles macht die Welt einem Haus ähnlich. Es dauert nur etwa vier­undzwanzig Stunden, um von Indien nach Amerika zu reisen, von einem Ende des Globus zum anderen. Ihr könnt sa­gen, dass alle diese Länder gleichsam die vielen Räume im Hause eures Vaters sind. Wir haben Atombomben, Wasser­stoffbomben usw. Ich möchte sagen, dass unser Fortschritt auf intellektuellem und technologischem Gebiet groß ist.

Aber was wissen wir über uns selbst – das wahre Selbst – das den physischen und intellektuellen Aspekten unseres Le­bens Kraft verleiht? Wir sind in Wirklichkeit der Geist oder die Seele.

Der größte Teil des physischen und in­tellektuellen Bereichs hat seine Grundla­ge in unserer Seele. Wir haben uns nur in zwei Richtungen entwickelt und wissen nichts über uns selbst. Ein Moslem-Heiliger sagt: "Wie lange wollt ihr fort­fahren, wie ein Kind mit Lehm zu spie­len und euch damit zu beschmutzen?" Was bleibt, wenn die Seele den Körper verlässt? Erde. "Du bist Staub und wirst wieder zu Staub werden." Wie lange wollt ihr noch so weitermachen? Wir ha­ben uns in zwei Richtungen sehr gut ent­wickelt, aber über unsere Seele wissen wir nichts oder so gut wie nichts. Wir wissen nur soviel, wie in den Schriften steht, nur soviel, wie wir mit unserem be­grenzten Verstand erfassen können.

Wenn wir den wahren Sinn der Schrif­ten verstehen wollen, müssen wir jeman­dem zu Füßen sitzen, der praktisches Wissen über das Selbst und das Über­selbst hat, denn alle Schriften sprechen von derselben Sache. Auch wenn wir ei­nem Meister begegnen, der ein Adept in der Praxis ist und uns alles erklärt, was unser Selbst und das Überselbst betrifft, können wir trotzdem solange nicht zu­frieden sein, ehe wir dieselbe Erfahrung nicht in uns selbst gemacht haben.

Falls wir die Schriften überhaupt le­sen, werden die Bemühungen auf dem Gebiet der Selbsterkenntnis meist auf das Lesen der einen oder anderen Schrift beschränkt oder auf den Besuch eines heiligen Ortes der Verehrung, das ist al­les. Dies sind jedoch nur die Anfangs­schritte und führen an sich zu keinen lohnenden Ergebnissen. Außerdem wer­den wir feststellen, dass viele von uns Kirchen oder andere heilige Stätten der Verehrung besuchen, aber wie viele da­von tun es wirklich auf der Suche, um das Wissen über Gott zu erlangen? In der Tat, sehr wenige. Die meisten von uns sind dort, um für den Lebensunter­halt zu beten, für die Kinder oder um ir­gendeinen anderen materiellen Vorteil. Wir lesen die Schriften, damit sonstige Ereignisse unseren Erwartungen entspre­chend geregelt werden mögen. Die mei­sten von uns sind nur auf diese Art und Weise religiös. Aber werden die Leute, indem sie zu den Wallfahrtsorten pil­gern, Gott finden? "Bittet, so wird euch gegeben; ... klopfet an, so wird euch aufgetan." Wenn wir aber nur um weltli­che Dinge bitten, wie können wir dann Gott erhalten? "Gott, der Herr, ist gü­tig, was du bittest von Ihm, wird Er dir geben."

Es wird die Geschichte eines persi­schen Prinzen namens Majnu erzählt, der sich in die Prinzessin Laila verliebte. Seine Verehrung war so glühend, dass er die Erde küsste, auf die sie trat. Einmal sagten die Leute zu ihm: "Siehe, Gott möchte zu dir kommen." Er antwortete: "Gut, wenn er mich besuchen will, soll Er in Gestalt meiner Laila kommen." Glaubt ihr, dass ein solcher Mensch je Gott finden wird? Er wird ohne Zweifel Laila finden, aber nicht Gott. Genauso, als ob wir viele Majnus wären, gehen wir in den Tempel, suchen aber nicht Gott, sondern die Idole unseres Herzens. Wie können wir Ihn da erreichen? Nur die können Gott finden, die Ihn suchen. Für sie ist der Weg offen; für sie gibt es einen Gottmenschen, der sie auf den Pfad stellt. So ist unser Streben auf dem gei­stigen Weg allein auf dieses Ziel gerich­tet.

Wer ein echtes Verlangen hat, Gott zu suchen und zu finden, für den trifft Gott Vorkehrungen, dass er auf den Weg gestellt wird.

Der erste Schritt zur Selbsterkenntnis ist, die uns verfügbaren heiligen Schriften zu lesen. Aber es wird uns gesagt: "Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert... der wird's finden." Was bedeutet das? Wer das physische Leben nur auf der Ebene der Sinnesorgane führt und wenig oder nichts über sein eigenes inneres Selbst weiß, der wird natürlich sein ewiges Le­ben gänzlich verlieren. Wer sich über dieses physische Leben erhebt, sich selbst und Gott erkennt, wird ewiges Leben er­halten.

Die Schriften sagen das sehr klar und in ganz einfachen Worten. Aber intellek­tuelle Menschen, die kein praktisches Wissen der Selbstanalyse und keine Er­fahrung von ihrem eigenen Selbst und von Gott hatten, haben es schwer ge­macht, sie zu verstehen. Das ist alles. Ansonsten ist die Wahrheit sehr einfach.

Wiederum sagt Christus: "Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen." Von neuem geboren werden? Wie ist das möglich? Nikodemus, ein sehr gelehrter Mann, kam zu Jesus und fragte: "Wie kann ein Mensch wieder ge­boren werden? Kann er wiederum in den Leib seiner Mutter gehen und geboren werden?" Was sagte Christus? "Sieh, du giltst als gelehrter Mann in Israel und weißt das nicht? ... Was vom Fleisch ge­boren wird, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren wird, das ist Geist."

Das war immer eine persönliche Auf­gabe für jeden einzelnen von uns. Die Meister, die kamen, waren in der Lage, uns die praktische Lösung zu bieten. Sie gaben uns eine Ersthand-Erfahrung da­von, wie wir uns über das Körperbewusstsein erheben und uns selbst erken­nen können.

Die ganze Situation ist auf den Kopf gestellt, würde ich sagen. Wir sind der Bewohner des Hauses. Wir müssen dar­über Bescheid wissen, wohin wir zu ge­hen haben und müssen dafür Vorberei­tungen treffen. Aber wir haben uns so sehr mit dem Körper identifiziert, dass wir zwischen ihm und unserem (wahren) Selbst nicht unterscheiden können.

Gegenwärtig wirken wir von der Ebe­ne des Körpers aus und kennen nichts als unser physisches Ich. Wir sehen nur auf diese äußere Welt und ihre Güter, als ob diese das ein und alles des Lebens wären. Das Ganze ist auf den Kopf gestellt. Deshalb betonen die Meister immer: "Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" Oder "Was kann ein Mensch zum Tausch für seine Seele geben?" Ihr seht, wie wichtig das ist.

Wir selbst sind es, die den Körper ver­lassen müssen, und wir wissen wenig oder nichts über uns selbst. Wir wissen nur soviel, wie in den Schriften steht. Aber selbst wenn wir sie Jahr um Jahr, unser ganzes Leben lang lesen, erhalten wir dadurch irgendeine Erfahrung? Ge­wiss, wir füllen unser Gehirn mit vielen Faktoren, Theorien und Berichten an, die die Erfahrungen anderer wiederge­ben, aber was hilft uns das? Es ist genau, wie wenn ein Mann heiratet. Nach der Hochzeit fährt das Paar glücklich weg. Außer ihnen nehmen viele andere an den Festlichkeiten teil, die jedoch dadurch nichts gewinnen. Wie ein indisches Sprichwort sagt: "Es sind bloß zwei, die heiraten; und die übrigen stehen dabei."

Das bedeutet keinesfalls, dass wir die Schriften nicht lesen sollten. Wir sollten sie studieren. Es ist ein erster Schritt. Sie sind wertvolle Berichte und für alle, die nach innen schauen und sich selbst und Gott erkennen möchten, Tonnen von Gold, Rubinen und Smaragden wert.

Jetzt sind wir lediglich mit dem Kör­per identifiziert. Wir wirken im Körper, handeln von der Ebene des Körpers aus und sind an ihn und seine ganze Umwelt verhaftet. Je mehr wir daran verhaftet sind, desto weiter sind wir vom ewigen Leben entfernt. Darum heißt es: "Strebe danach, dich von der Liebe zu allen sichtbaren Dingen freizumachen, und richte dein Augenmerk auf die unsicht­baren Dinge."

Je mehr wir im Äußeren an die physischen Dinge verhaftet sind, desto ferner sind wir unserem in­neren, höheren Selbst.

Solange wir uns nicht eine Weile von diesem Ort zurückziehen, uns über das Körperbewusstsein erheben und uns selbst erkennen, können wir weder Gott erkennen, noch Ihm nahe kommen oder uns mit Ihm verbinden. Wenn wir doch ganz genau wissen, dass wir den Körper verlassen müssen, warum binden wir uns dann an ihn?

Wie ich vorhin sagte, muss ich in weni­gen Tagen die Vereinigten Staaten ver­lassen und nach Indien zurückkehren. Ich weiß, dass ich zurückkehren und euch verlassen muss. Daher werde ich nicht zu sehr an diese oder jene Dinge gebunden sein, da ich weiß, dass ich zu­rückkehren muss. Ich habe einfach be­stimmte Tage hier zu sein und dann zu­rückzugehen. Das ist alles. Aus diesem Grund besteht das Leben des Menschen nicht in Besitztum, nicht im Überfluss der Dinge, die er hat. "Das Leben ist mehr denn die Speise, und der Leib mehr denn die Kleidung."

Seht, wie unser Verhalten im Weltli­chen ist: Nehmt an, ihr tragt einen teu­ren Anzug oder teure Gewänder und habt einen Unfall; die Kleidung ist völlig zerrissen und unbrauchbar geworden. Ihr werdet sagen: "Das macht nichts, ich bin ja gerettet." Wenn ihr krank seid und die Ärzte erklären, dass es wenig Hoffnung für euer Leben gibt, was wer­det ihr dann sagen? "Nun, ich will alles Geld, das ich habe, und auch allen Besitz dafür geben, um gerettet zu werden." Unser Körper ist wertvoller als jeder an­dere materielle Besitz. Was werdet ihr sagen, wenn ihr einen weiteren Unfall habt und euch dabei einen Arm oder ein Bein brecht? "Ach, das macht nichts, ich bin ja gerettet." Das, was gerettet ist, seid ihr selbst, und das ist kostbarer als der Körper. Die Meister haben uns im­mer die Tatsache nahe gebracht, dass un­ser inneres Selbst der wahre Juwel im Körper ist, ein Schatz von unschätzba­rem Wert. Wir haben dieses innere Selbst nie kennengelernt. Solange wir nicht erkennen und wissen, dass das Le­ben mehr ist denn die Speise, werden wir nichts für das andere Leben tun. Gegen­wärtig sind wir der Ansicht, dass unser Körper mehr ist als alles andere, ob­gleich uns wohlbekannt ist, dass wir ihn eines Tages verlassen müssen. Das ist kein Schreckgespenst, sage ich euch. Aber der kluge Mensch bereitet sich für die Umwandlung vor, die jeden von uns erwartet, denn von dieser Regel gibt es keine Ausnahme.

Der Mensch, der sich selbst er­kennt, ist wahrlich der klügste.

Wir haben uns nicht um diesen Weg gekümmert. Unser Bestreben war nur auf das Lesen der Schriften beschränkt und auf die äußerliche Beachtung be­stimmter Rituale, Zeremonien oder Bräuche. Sicher sind dies die Anfangs­schritte, die wir machen müssen, aber es ist nicht der Hauptzweck unseres Le­bens. Was sollten wir also tun? Wir soll­ten den wahren Sinn unseres Lebens ver­stehen. Was ist die wichtigste Aufgabe im Leben eines Menschen? Der Mensch ist das Höchste in der ganzen Schöp­fung. Er ist Gott am nächsten. Prophet Mohammed sagte im Koran: "Gott schuf den Menschen und gebot den En­geln, sich vor ihm zu verbeugen." Somit steht der Mensch selbst über den Engeln.

Dieser Körper ist der Tempel Got­tes, in welchem Gott wohnt und auch ihr.

Aber wir haben nie in dieser Richtung gedacht. Wir haben lediglich auf den äu­ßeren Menschen geachtet, auf äußere Sauberkeit, und dass wir ein schönes Haus und eine komfortable Einrichtung zum Wohnen haben. Aber wir haben wenig oder nichts dafür getan, diesen Tempel Gottes (unseren Körper) von in­nen her zu reinigen. Wir haben ihn ent­weiht. Wer den Tempel Gottes entweiht, wird von Gott bestraft. "Mit einem un­reinen Herzen kann es keine Reinheit ge­ben."

Reinheit ist dem Weg zu Gott am nächsten.

Wir sollten unseren Körper sowohl außen als auch innen rein halten. "Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen." Wir müssen ein ethisches, reines Leben führen. Was Christus in der Bergpredigt sagte, stimmt mit dem Achtfachen Pfad Budd­has überein. Dieser wiederum entspricht den Yama-, Niyama- und Sadachar-Vorschriften der Hindus. Das ist der er­ste Schritt, den wir tun müssen. Dabei werden wir auch den inneren Weg fin­den. Er sagte: "Wenn dein Auge einfäl­tig ist, so wird dein ganzer Leib Licht sein."

Wir haben die Lehren der früheren Meister nicht verstanden. Wenn wir je­doch lernen, danach zu leben, was die Schriften sagen, werden wir Frieden auf Erden und auch Frieden im Jenseits er­langen. Wir hätten das Reich Gottes auf Erden und ebenfalls in der anderen Welt. "Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?"

Wie handeln wir im täglichen Leben? Von früh bis spät sind wir mit nichts an­derem als der Erhaltung unseres eigenen physischen Körpers und dem unserer Fa­milienangehörigen beschäftigt. Wir ste­hen am Morgen auf, folgen dem Ruf der Natur, machen etwas Gymnastik, neh­men ein Bad, essen. Dann gehen die ei­nen ins Geschäft, andere ins Büro oder einer sonstigen Arbeit nach. Der ganze Tag wird auf diese Weise zugebracht. Abends kommen wir heim, und wer ver­heiratet ist, muss sich um seine Familie kümmern. Manche sind krank und ha­ben daher andere Lebensbedürfnisse. Manche gehen einkaufen. Später neh­men wir eine Mahlzeit ein und gehen schlafen. Wieder andere essen und trin­ken nur und machen sich ein schönes Le­ben, dann gehen sie ebenfalls schlafen. Das ist unser gewöhnlicher Tagesablauf. Am nächsten Morgen beginnt derselbe Trott von neuem. So wird unser kostba­res Leben mit zweitrangigen Bestrebun­gen vergeudet. Wir haben keine Zeit, uns dem Problem und dem Rätsel des Le­bens zuzuwenden. Die Meister sagen: "Seht, ihr müsst diesen Körper eines Tages verlassen; das ist unvermeidlich. Habt ihr euch darauf vorbereitet?" Wenn uns der Tod überkommt, erleiden wir große Qual. Wenn wir je das Los ei­nes Sterbenden gesehen haben, wurden wir Zeuge der Todespein: Weinen, Krämpfe usw. Niemand kann ihm dann helfen. Hätte er das Rätsel des Lebens gelöst und gelernt, wie man den Körper willentlich verlässt, hätte er sieh durch Selbstanalyse selbst erkannt, dann wäre er zu Lebzeiten mit der Erfahrung des Todes bekannt geworden. Er hätte ge­lernt, wie man sich willentlich über das Körperbewusstsein erhebt, was ohne je­den quälenden Schmerz vor sieh geht. Prophet Mohammed sagt, dass der Schmerz, den der Mensch empfindet, wenn die Seele den Körper verlasst, da­mit vergleichbar sei, als würde ein Dornenbüschel vom Rektum ausgehend durch den Körper und durch die Nasen­löcher gezogen. Einige indische Schriften vergleichen die Todesqualen mit tausend gleichzeitigen Skorpionstichen. Ihr alle wart schon Zeuge, wie schwer es ist, den Körper zu verlassen. Von bestimmten, sehr seltenen Fällen abgesehen – etwa bei Herzversagen – müssen alle durch diese Agonie gehen. Wenn ihr jedoch wisst , wie man den Körper nach Belieben verlässt, sei es hundertmal am Tag, dann verliert der Tod seinen Stachel, sagen die Meister.

Wenn wir jemanden fragen: "Lass hö­ren, lieber Freund, wie hast du dich spi­rituell entwickelt?" ist die Antwort: "Nun, das ist nicht nötig. Wir werden uns darum kümmern, wenn wir alt werden. Lasst uns essen, trinken und fröh­lich sein." Von wo habt ihr die Garantie, dass ihr ein hohes Alter erreicht? Es könnte ein Unfall geschehen; irgendeine Krankheit könnte euch befallen und euer Leben beenden. Nehmen wir an, ihr er­reicht ein hohes Alter, was dann? Euer Körper wird gebrechlich, eure Sinne wer­den schwach, manchmal ist das Augen­licht nicht gut, zuweilen wird man schwerhörig. In einem anderen Fall kann man sich nicht bewegen, oder man ist ans Bett gefesselt. Wenn ihr das Rätsel des Lebens gelöst hättet, solange ihr jung und im Besitz eines entschlossenen Willens und eines starken Körpers wart, hättet ihr es viel besser lernen können. Aber ihr werdet feststellen, dass ihr diese Tatsache völlig außer acht gelassen habt. Dem Wichtigsten wird keine Beachtung geschenkt.

Ein Moslem-Heiliger sagt: "Der höch­ste Zweck des menschlichen Lebens ist, sich selbst zu erkennen und Gott zu er­kennen." Und was habt ihr getan? Ihr wisst soviel über eure physischen und in­tellektuellen Dinge, aber habt ihr auch eurem inneren Selbst irgendeine Beach­tung geschenkt? Er sagt: "Wenn nicht, was für Früchte wird es bringen ? Du bist ein Tor. Du bist kein kluger Mensch." Ein kluger Mensch sucht immer zu ver­stehen und sich auf das Morgen vorzu­bereiten, auf das, was kommen wird.

In Indien starb eines Tages ein gewis­ser junger Mann, dessen Leib zur Ver­brennungsstätte gebracht wurde. Es waren 300 oder 400 Menschen anwesend, und ich war einer von ihnen. Sie wollten, dass ich eine Rede hielte, die für den Au­genblick am geeignetsten war. Ich sagte ihnen: "Der Gegenstand der Rede liegt vor euch. Etwas hat diesen Körper ver­lassen, in euch aber ist dieses Etwas noch. Seid ihr jedoch für diese Verwand­lung vorbereitet? Wenn nicht, macht euch bereit."

Löst das Mysterium des Lebens, findet heraus, wie man den Kör­per verlässt, wie man sich über das Körperbewusstsein erhebt.

Dann werdet ihr, wenn der Tod naht, vorbereitet sein. Ihr werdet seinen Sta­chel nicht fühlen. So könnt ihr den Tod besiegen. Ihr müsst alle eines Tages euren Körper verlassen. Guru Gobind Singh sagte: "Ihr konntet mit euren eigenen Augen sehen, dass andere, die denselben physischen Körper haben wie ihr, ihn zu­rücklassen mussten. Wo sind eure Vor­fahren? Wo sind all die Meister der Ver­gangenheit? Sie alle hatten einen Körper und verließen ihn. Auch in eurem Fall kann es keine Ausnahme geben."

Wenn die Behörde einen Räumungs­befehl erlässt, wird dieser Befehl ausge­führt, ob es euch gefällt oder nicht. Es kann vielleicht einen Aufschub in der Durchführung der Befehle geben, indem ihr bei jemandem Gehör finden und ir­gendein Zugeständnis erwirken konntet. Ist jedoch der Befehl von Gott ausgegan­gen, gibt es kein Zugeständnis. Ihr müsst den Körper zurücklassen und gehen. Es ist klug zu lernen, wie man den Körper verlässt. Was ist es, das ihn verlässt? Wenn ihr dieses Problem gelöst habt, dann habt ihr die Furcht vor dem Tod bezwungen.

Im Mahabharata, dem großen indi­schen Epos, haben wir die Episode von Yaksha und dem Prinzen Yudishtra. Als der letztere zu einer Quelle ging, um sei­nen Durst zu stillen, forderte ihn Yaksha unter Androhung der Todesstrafe auf, erst vorher seine Frage zu beantworten. "Was ist das Merkwürdigste in der Welt?" Yudishtra antwortete: "Wir se­hen täglich, dass Menschen ihren Körper verlassen, der dann verbrannt oder be­graben wird. Wir haben selbst solchen Bestattungszeremonien beigewohnt, und doch glauben wir nicht im geringsten daran, noch denken wir jemals darüber nach, dass wir ebenfalls den Körper ver­lassen müssen. Die Menschen sterben, doch es kommt uns nie in den Sinn, dass auch wir sterben werden." Wir tragen diese toten Körper auf unseren Schul­tern, wir begraben sie mit eigenen Hän­den, trotzdem denken wir in keiner Wei­se daran, dass auch wir den Körper zu­rücklassen müssen. Das ist das Merk­würdigste aller Dinge. Wo sind eure Brü­der, eure Ahnen und andere? Sie alle lebten wie ihr und gingen von uns: auch ihr müsst eines Tages gehen.

Ein weiser Mensch ist, wer sich dafür bereit macht, den Körper zu verlassen.

In dieser Ansprache haben wir uns al­so mit den höheren Worten des Lebens befasst. Der physische Körper hat seinen eigenen Wert. Er ist der Tempel Gottes; erhaltet ihn. Gott wohnt in jedem Her­zen. "Das Sichtbare wie auch das Un­sichtbare begegnen sich im Menschen." Ihr habt eure Familie aufgrund der Rückwirkung aus der Vergangenheit. Sorgt für sie.

Liebt die ganze Menschheit.

Das ist das zweite der höchsten Gebo­te, die euch gegeben wurden. Ihr habt den Verstand erhalten. Entwickelt ihn, aber bedenkt, dass auch er mit dem Kör­per vergehen muss. "Das Leben ist mehr denn die Speise, und der Leib mehr denn die Kleidung und aller Besitz." Aber ihr handelt völlig entgegengesetzt. Ihr glaubt, dass der Körper und die äußere Umwelt das A und O des Lebens sind.

Manche Leute kommen zu mir und sagen: "Wir erkennen an, was Sie sagen. Wir möchten etwas über das Mysterium des Lebens erfahren. Wir suchen da­nach." Aber wenn man sie einlädt, zum Vortrag zu kommen, sagen sie: "Ich muss meiner Arbeit nachgehen, ich kann nicht kommen." Damit will ich sagen, dass ihr eure Angelegenheiten zugunsten eurer vorrangigen Verpflichtungen ord­nen müsst. Wenn zu Hause jemand krank wird, nehmt ihr euch einige Zeit frei von der Arbeit. Aber die höchste Wahrheit hat euer Herz nicht in Besitz genommen. Es ist das Wichtigste im Leben, aber ihr habt keine Zeit dafür. Wer wird euch helfen, wenn ihr den Körper verlassen müsst?

Nur wenn ihr euch selbst erkannt habt, wenn ihr wisst , wie man den Körper verlässt, könnt ihr ihn zur Stunde des Todes ohne Schmerzen verlassen.

Jemand, der dieses Geheimnis kennt und kompetent ist, wäre in der Lage, euch zu helfen; aber niemand sonst, nicht einmal eure nächsten Freunde und Verwandten, auch nicht der größte Arzt kann von irgendeiner Hilfe sein.

Das ist die wichtigste Aufgabe unseres Lebens. Wir aber schieben sie hinaus bis zum Schluss. Die Taube kann zwar die Augen vor der herannahenden Katze verschließen, aber das rettet sie nicht. Auch wir können das Todesproblem nicht lösen, indem wir uns von ihm ab­wenden. Wir müssen es ernstlich in An­griff nehmen und den Tod besiegen, sonst wird der Tod uns besiegen. Das Ende des Lebens muss kommen. Das sa­gen uns die Schriften, und das ist es, was alle Meister sagen. Aber wir kümmern uns nicht darum. Guru Nanak erklärt: "Du bist entweder ein Kind mit noch un­entwickeltem Verstand, oder du bist stockblind."

Die Frage ist nun: Wer kann euch auf dem Weg helfen? Einer, der das Rätsel des Lebens selbst gelöst hat und auch euch eine Erfahrung davon geben kann, wie man sich über das Körperbewusstsein erhebt, der das innere Auge öffnet so dass ihr das Licht Gottes sehen könnt – ihr mögt ihn nennen, wie immer ihr wollt. Wenn ihr ihm zu Füßen sitzt, mit empfänglichem Gemüt und einem liebe­vollen Herzen, wird es euch gelingen, das Rätsel des Lebens zu lösen.

Die höchste Pflicht im Leben des Menschen ist, sich selbst zu erken­nen und Gott zu erkennen.

Aber er gibt sich oberflächlichen Bestrebungen hin. Das erkennen jene, die erwacht und erleuchtet sind. Wir betrachten den physischen Aspekt als das höchste Gut des Lebens. Aber der Erwachte sagt: "Was tun die Menschen? Sie sorgen sich nicht um ihr eigenes, wirkliches Selbst. Sie wenden dafür keinerlei Zeit auf und verbringen ihre Stunden für den physischen Körper, seine Umgebung und für intellektuelle Bildung." Die Antwort mag sein: Wir müssen diesen Körper verlassen, aber wir tun alles, um ihn zu erhalten und ihn oder das, was zu ihm in Beziehung steht, mit allen nur möglichen Annehmlichkeiten zu versorgen. Wer wird uns sagen, was nun zu tun ist? Dafür müssen wir zu Füßen von einem sitzen, der das Geheimnis des Lebens für sich selbst gelöst hat. Es ist eine Sache der Praxis.

In den Evangelien lesen wir: "Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen: ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen." Diese Erfüllung des Gesetzes war immer die Mission aller wahren Propheten und wird es weiter sein. Das verkünden uns all die Schriften. Wir haben diese Dinge bereits oftmals gelesen. Wann immer Meister kamen, brachten sie der Welt nichts Neues. Als ausgezeichnete Beobachter sahen sie die Dinge in der rechten Perspektive und erweckten die Menschen zur Wahrheit. Ihr lauter Ruf ist immer: "Erwache, oh Mensch, was tust du?" Die Veden mahnen: "Erwache, erhebe dich und ruhe nicht, bis das Ziel erreicht ist." Wir schlafen sozusagen. Unser oberflächliches Leben ist nichts weiter als Schlaf. Wir sind mit dem Körper identifiziert und nehmen durch die Sinnesorgane so viele Eindrücke von außen auf, dass diese erneut in uns aufkommen wenn wir unsere Augen schließen. Wenn wir schlafen gehen, kommen die gleichen Eindrücke wieder in Form von Träumen hoch. Wir leben ein oberflächliches Leben und sind blind gegenüber der Wirklichkeit.

Wir befinden uns im physischen Kör­per. Wir sind bewusste Wesen, doch so sehr an Gemüt und Materie gebunden, dass wir uns selbst nicht vom Körper un­terscheiden können.

Wir müssen die physische Welt verlassen, die astrale überschreiten, weiter über die kausale und superkausale hinausgehen und in die wahre Heimat unseres Vaters gelangen. Das ist der eigentliche Bestimmungsort für jeden von uns.

Was haben wir dafür getan? Wir ha­ben uns lediglich dem physischen Körper und seinen Beziehungen gewidmet. Das wird uns immer wieder von den Meistern gesagt. Sie sagen nicht, dass wir die Welt gänzlich verlassen und in der Wildnis wie ein Einsiedler leben sollten. Sie erklären: "Ihr habt einen physischen Körper. Sorgt für ihn. Er ist der Tempel Gottes. Haltet ihn rein und sauber, von außen und von innen." Ferner sagen sie: "Ihr habt einen Verstand, so entwickelt euch auch verstandesmäßig. Aber bedenkt, dass ihr Seele seid, der Bewohner des Körpers. Erkennt euch selbst, damit ihr das Überselbst erkennen könnt. Dies wird euch nur gelingen, wenn ihr euch über das Körperbewusstsein erhebt." Jetzt sind wir mit dem Körper identifi­ziert und wir können uns nicht vom Kör­per unterscheiden. Es gibt also verschie­dene Werte im Leben. Der physische Körper hat seinen eigenen Wert, der Verstand den seinen.

Das Leben des Geistes aber hat den höchsten Wert.

Von den vierundzwanzig Stunden des Tages schenken wir der Entwicklung der physischen Seite und ihrer Umwelt und dem intellektuellen Wissen soviel Auf­merksamkeit und Zeit. Wir sollten je­doch auch unserer Entwicklung auf dem Weg zur Selbsterkenntnis eine gewisse Zeit widmen. Das haben alle Meister be­tont.

Nun bleibt die Frage: Wie soll das ge­hen? Alle Schriften sprechen vom Reich Gottes und sagen, dass es in uns liegt. Wie kann man dort hingelangen? Wie öffnet man das innere Auge, um das Licht Gottes zu sehen? Wir berühren nun den inneren Aspekt des Menschen. Die höheren, inneren Fähigkeiten er­möglichen uns, wenn wir das Körperbewusstsein übersteigen, in das Reich Got­tes einzugehen. "In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen." Da gibt es Ebe­nen über Ebenen. Wie kann man sie durchqueren? Wie kann man das innere Auge öffnen, um das Licht Gottes zu se­hen, von dem in allen Schriften die Rede ist?

Die Bergpredigt behandelt das äußere Zusammenleben mit euren Mitmen­schen. Christus wies darin auch auf das innere Licht hin und wie man das Reich Gottes erlangen kann, das in uns liegt. Ebenso warnt er uns vor den falschen Propheten, "die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe."

Die Meister, die ihr eigenes Selbst er­fahren haben, verteilen alle diese Gaben Gottes unentgeltlich. Sie verlangen nichts dafür.

Alle Gaben Gottes sind frei. Es ist der Mensch, der verkauft, nicht Gott. Das erklären alle Propheten und Meister der Vergangenheit.

Mit eurer ganzen Verstandeskraft werdet ihr nicht in der Lage sein, den rechten Sinn der heiligen Schriften zu verstehen, es sei denn, ihr kommt zu je­mandem, der sie praktisch erfahren hat und fähig ist, euch eine Ersthand-Erfahrung zu geben. Wenn ihr eine sol­che Erfahrung erhalten habt, könnt ihr Fortschritte machen.