Welche Dinge uns helfen uns selbst zu erkennen und was dabei nicht hilfreich ist, wie wir uns von den nach außen gerichteten Sinnen und dem Intellekt lösen können - das ist ein Thema in dem es um die Praxis geht. Das versteht man wirklich unter Spiritualität.

Sant Kirpal Singh

Von Sant Kirpal Singh, 1969

Sant Kirpal Singh

Nachdem ich mit der Gnade meines Meisters (dem Gestalt gewordenen Wort) mein 75. Lebensjahr durchlaufen habe, trete ich nun ein in den physischen Lebensabend. Ich habe festgestellt, dass das Wort – das heilige Naam – sowohl hier als auch im Jenseits der Anker meines Lebens ist. Das ist es auch für jeden von euch, den Gott zu mir gesandt hat. Es ist das Brot und Wasser des Lebens, welches die Seele nährt. Von der spirituellen Gesundheit ist sowohl das Leben des Geistes, als auch des Körpers abhängig. Ohne das (Brot und Wasser des Lebens) hat unser Leben keinen Wert, so wie ein Elefant ohne Stoßzähne aus Elfenbein, wie eine Quelle, die kein Wasser spendet, wie ein Obstbaum ohne Früchte, wie die Erde, auf der ohne Regen oder Wasser nichts wächst, oder wie eine Nacht ohne Mondschein. Das ist der allerwichtigste Aspekt unseres Lebens. „Was hilft es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele.“

Während man sich an der Glückseligkeit des heiligen Naam erfreut, schleicht sich das Gemüt – ein Vertreter der negativen Kraft – heimlich ein, um uns die Wonne der Gottberauschung zu stehlen, indem man sich für unentbehrlich hält, an welchen Platz auch immer er oder sie im Leben gestellt wurde. Wir sind sehr glücklich zu nennen, ausgewählt worden zu sein, bestimmte Aufgaben in Gottes Werk auszuführen. Jeder einzelne von jenen (die eine Aufgabe erhielten) sollte Gott dankbar sein und sich mit aller Kraft dafür einsetzen.

Im edlen Werk Gottes leben die ergebenen Kinder in Harmonie miteinander. Der Meister ist sich der liebevollen Hingabe und des Opfers eines jeden voll bewusst und schätzt es. Er schenkt ihm/ihr – entsprechend dem, was jeder aufnehmen kann – mit Liebe erfüllte Berauschung. Große und kleine Räder in einer Maschine müssen jeweils ihren Teil dazu beitragen, dass die Maschine reibungslos läuft, indem sie mit dem duftenden Öl liebender Ergebenheit geölt werden. Indem ihr euch ganz der Meisterkraft zuwendet, die seit der Initiation in euch allen wohnt und euch niemals verlässt – weder hier noch danach – müsst ihr Achtsamkeit erlangen, um nicht von den listigen Machenschaften des Gemüts getäuscht zu werden. Ganz liebevoll kann man das bewirken, indem man Seine Anweisungen befolgt.

Ich wünsche mir zu sehen, dass ihr während meines Lebensabends auf dem spirituellen Weg fortschreitet und Botschafter der Wahrheit werdet; je eher, desto besser, denn die Zeit und die Flut warten auf niemanden. Vereinen wir uns alle in der liebevollen Umarmung des Meisters, vergeben und vergessen wir kleinliche Differenzen – die das Gemüt geschaffen hat, um den Fortschritt zu verzögern – und bringen wir den Segen der über uns wirkenden Meisterkraft unter uns.

Ich wünsche mir, dass jeder von euch mit mir in das Gebet von Guru Ram Das Ji und Guru Arjan Dev Ji einstimmt, welches besagt:

Oh Herr, verlass mich – Deinen Sklaven – nicht.
Halte mich in deiner liebenden Umarmung, o Herr,
Aufgrund Deiner alten Liebe.
Die Sünder zu reinigen liegt in Deinem ureigenen Wesen;
So achte nicht auf meine Fehler und Sünden.
Du bist das Leben meines Lebens, mein Friede, mein Reichtum.
Verbrenne in Deiner Barmherzigkeit
Den Schleier des Egos, der mich fern hält von Dir.
Wie kann der Fisch ohne Wasser leben?
Und wie ein Kind ohne Milch?
Der Sklave Nanak sehnt sich nach Deinen Lotosfüßen;
Oh Herr, erlangt er Deinen Anblick,
Nimmt er die eigentliche Essenz der Freude in sich auf.
Als letzte Zuflucht komme ich, um mich Dir hinzugeben, oh Herr,
Es liegt nun an Dir, mich anzunehmen oder zu töten.
Die geschickte Schmeichelei der Welt habe ich ganz und gar ins Feuer geworfen.
Sag nun Gutes oder Schlechtes über mich – ich habe mich Dir, mein Gott, völlig hingegeben.
Wer kommt, um zu Dir Zuflucht zu nehmen, oh Herr, den beschützt Du in Deinem Erbarmen.
Nanak ist zu Dir gekommen um Schutz, nun bewahre Du meine Ehre.
Oh, Du Quelle der Barmherzigkeit, wohne für immer in meinem Herzen
Und erwecke in mir die unmittelbare Erkenntnis, damit ich beginne, Dich zu lieben.
Halte mich für immer im heiligen Staub der Füße der Heiligen,
Damit ich ihn mir auf die Stirn lege.
Obgleich so sündig, kann ich zum Reinsten der Reinen werden,
Wenn ich mich auf die Musik aller Harmonien einstimme und immer zu Deinem Ruhm singe.
Dein Wille sei mir lieb, und ich möge Gefallen finden an allem, was Du tust.
Und was immer Du gibst, damit werde ich zufrieden sein.
Und es kommt mir nicht in den Sinn, an die Tür eines anderen zu klopfen.
Möge ich Dich immer näher bei mir wissen und in tiefer Demut der Staub unter allen sein.
In der Gemeinschaft mit Heiligen kann man all das erlangen
Und man kann den Anblick Gottes erhalten.
Für immer bleiben wir Deine Kinder, oh Herr, Du bist unser Meister und König.
Nanak ist Dein Kind, oh Vater und Mutter, und in ihm ist die Milch Deines Namens.

Herzlichst, Euer Kirpal Singh

 

 

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