Wir alle sind Liebende, Ergebene einer höheren Kraft, tausende von Liebenden, aber der Geliebte ist einer für alle. Er, nach dem wir uns sehnen, ist der Geliebte der ganzen Welt. Es gibt nicht einen speziellen Gott nur für Muslime, nur für Hindus, nur für Christen, Er ist der eine Gott für alle.

Sant Kirpal Singh

Ein Herz-zu-Herz Gespräch mit Sant Kirpal Singh, Sawan Ashram, Delhi, Indien

 

Sant-Kirpal-Singh-August-1974Frage: Meister, Ihr überschüttet uns je­den Tag mit so viel Gnade. Wie können wir mehr Liebe, Hingabe und Dankbar­keit entwickeln für das, was Ihr uns gebt?

Sant Kirpal Singh: Ich werde langsam grau, und ihr seid noch ganz jung. Denkt daran, die Christuskraft wird nicht älter oder jün­ger, sie ist immer jung und frisch und wirkt zu jeder Zeit. Sie ist nie alt. Ist die Saat einmal gesät, hat keine Kraft der Welt die Macht, sie wieder auszureißen. Seid versichert, Er wird euch niemals ver­lassen. Noch etwas?

Frage: Ich habe einmal gelesen, dass Euer Meister Sawan Singh in einer früheren Inkarnation Kabir gewesen sei, und ich frage mich, ob das stimmt.

Sant Kirpal Singh: Was würde es dir helfen?

Schüler: Ich muss manchmal daran denken.

Sant Kirpal Singh: In ihnen allen wirkte dieselbe Kraft, sei es in Kabir oder jedem anderen (Meister). Sie sind das fleischgewordene Wort. So nimmt das Wort Gestalt an, einmal als Kabir, einmal in dieser Form oder jener Form. Das Wort ändert sich nie. Wenn euer Freund heute in weißen, morgen in gelben und am drit­ten Tag in braunen Kleidern käme, wür­det ihr ihn dann nicht wiedererkennen? Ich hoffe, ihr würdet ihn wiedererkennen und ihn nicht abweisen (Meister lacht lei­se). Das ist alles, was ich sagen kann.

Ja, hat noch jemand eine Frage? Ja, bitte, nur zu – was habt ihr sonst noch?

Schüler: Wie können wir ein besseres Verhalten entwickeln?

Sant Kirpal Singh: Lies das Heft "Die Sieben Wege". Dort könnt ihr nachlesen, welche sieben Schritte uns helfen, unseren Zu­stand in jeder Hinsicht zu verbessern. Eu­er Charakter wird sich wandeln. Als er­stes müssen wir unser Gemüt von allen fremden Gedanken, die aufkommen, rei­nigen. Deshalb sagten Er (Christus) und alle Gottmenschen: "Jene, die ihre Kin­der, ihre Eltern und andere Verwandte mehr lieben als mich, sind nicht meine Schüler." Für das, was ihnen das Wich­tigste im Leben ist, für Gott-im-Menschen, opfern sie alles.

Schüler: Gestern, als Ihr nicht hier wart...

Sant Kirpal Singh: Ich war nicht hier –

Schüler: Wir fühlten uns alle verlas­sen.

Sant Kirpal Singh: Was war mit euch?

Schüler: Wir werden von Euch ab­hängig.

Sant Kirpal Singh: Es ist besser, von Ihm, der in euch ist, abhängig zu sein, nicht im Äuße­ren. Er ist immer mit euch. Wenn ihr denkt, Er sei weg, dann wird Er es auch sein, und es wird Zeit brauchen, bis Er kommt. Wenn ihr denkt, Er ist da, dann wird Er auf der Stelle kommen. Ihr wer­det das Geheimnis der Koravas erfahren. Ihr wisst sicher davon aus dem Mahabharata Epos. Die Koravas gewannen Draupadi (beim Würfelspiel). Sie wur­de entführt, und ihr Entführer begann, ihr den Sari vom Kopf zu ziehen. Heutzu­tage ist es modern, ohne Kopfbedeckung zu gehen, und es gilt als ein Zeichen des Respekts. Aber in früheren Zeiten galt ei­ne Kopfbedeckung als ein Zeichen des Respekts, keine Kopfbedeckung zu tra­gen war eine große Respektlosigkeit.

Sie (Draupadi) schrie: "Oh Lord Krishna, komm, rette mich, ich werde entehrt." Unterdessen wurde ihr der Sari vom Kopf gezogen. Dann erschien Lord Krishna und erklärte, das Sarituch, das sie trug, könne nicht abgewickelt werden. Sie sag­te zu Lord Krishna: "Was hat es für ei­nen Sinn, wenn du jetzt kommst, da mir doch das Tuch bereits vom Kopf gezo­gen wurde? Krishna, du bist zu spät ge­kommen. Du bist zwar gekommen, aber du kamst spät." Da fragte er: "Wen hast du um Hufe angerufen?" – "Ich rief Krish­na in Brindaban an, mich zu retten." Er sagte: "Ich musste von Brindaban kom­men, und das brauchte Zeit. Ich bin das Leben deines Lebens. Hättest du mich auf diese Weise angerufen, hätte ich dich so­fort gerettet." Seht ihr? Seid also niemals von anderen abhängig! Jedem wird Hil­fe zuteil, ihr seid nie ohne Ihn. Er ver­spricht: "Ich werde euch niemals ver­lassen noch versäumen bis an das Ende der Welt." Wie könnte ich das jemals tun? Ist dies die Wahrheit der Bibel? Ist es die Wahrheit oder nicht? Er sagte "Ich wer­de euch niemals verlassen bis ans Ende der Welt." Was ist dann wahr – das, was ihr sagte, oder das, was Er sagt?

Schüler: Als erstes möchte ich euch danken. Ich bin glücklich hier zu sein. Und zweitens, ich bin ein Student und nehme an einem Programm teil, das von der Regierung getragen wird und das mit bestimmten kulturellen Aktivitäten ver­bunden ist. Der Leiter verlangt oder emp­fiehlt uns, daran teilzunehmen. Und ich dachte, ob Ihr nicht einige Vorschläge hättet, wie man diese günstigen Gele­genheiten, die sich manchmal ergeben, am besten nützen kann. Zum Beispiel ist morgen der 15. August.

Sant Kirpal Singh: Ja.

Schüler: Es ist der Tag der indischen Unabhängigkeit, nicht wahr?

Sant Kirpal Singh: Ja, ich wünsche, dass ihr un­abhängig seid.

Schüler: Wie bitte?

Sant Kirpal Singh: Ich wünsche euch allen un­abhängig zu sein – unabhängig von eu­rem Körper, unabhängig von euren nach außen gehenden Sinneskräften, unab­hängig von eurem Gemüt, unabhängig von eurem Verstand. Abhängigkeit ist ein schlimmes Vergehen. Seid niemals von jemandem abhängig! Ihr mögt von außen Hilfe erhalten, zu eurer Unterstützung. Er aber sagt: "Ich bin in euch – kommt!"

Wie wirst du den Unabhängigkeitstag morgen feiern?

Schüler: Nun, ich dachte, dass ich mir die Rede von Frau Gandhi im Roten Fort anhören werde, wenn ich dazu Eure Er­laubnis bekomme.

Sant Kirpal Singh: Du kannst gehen. Geh nur hin, das ist in Ordnung. Aber das wird dich nicht unabhängig machen. Reden macht dich noch mehr abhängig. Deshalb ist der beste Unabhängigkeitstag, sich von allem Äußeren zurückzuziehen. Kommt heraus aus dieser engen, dunklen Höhle des Körpers, und erhebt euch ins Jenseits. Das führt zum Unbedingten. Kommt in Verbindung mit der Kraft, die Gott ist. Selbst nachdem ihr (im Äußeren) unab­hängig geworden seid, seid ihr immer noch gebunden. Ehrlich gesagt, ihr seid nicht unabhängig. Jeder Mensch ist auf seine eigene Art gebunden. Wenn ihr un­abhängig seid, dann empfindet ihr Glück, ihr strahlt Freiheit aus.

Schüler: Freiheit ausstrahlen?

Sant Kirpal Singh: Ja, was dieses Schauspiel morgen betrifft – es werden sich Tausende versammeln, um die Rede des Premier­ministers zu hören. Sie gehen hin, um ihr Ehre zu erweisen. Wenn du mir etwas ge­sagt hättest, hätte ich eine Eintrittskarte für dich besorgt.

Schüler: Oh!

Sant Kirpal Singh: Hättest du es mir früher ge­sagt, heute morgen, hätte ich einen Sitz­platz für dich bekommen können. Jetzt wirst du stehen müssen.

Schüler: Oh!

Sant Kirpal Singh: Du kannst es dir im Fernse­hen ansehen. Da gibt es keine Men­schenmengen, die sich drängen.

Schüler: Werdet ihr selbst es euch an­sehen?

Sant Kirpal Singh: Ich brauche es nicht. Ich kann es, brauche es aber nicht. Ich bin nicht gebunden. Ihr seid gebunden. Aber ich kann bleiben oder nicht. Ihr seid an eu­re Neigungen gebunden.

Ich bin dir sehr dankbar, du hast uns an den morgigen Unabhängigkeitstag er­innert. Lasst uns morgen, am Unabhän­gigkeitstag, alle frei sein! Aller äußerer Schein und alle äußeren Fesseln sollten abgeschüttelt werden.

Schüler: Morgen ist auch 'Tag des Gu­ru', Meister.

Sant Kirpal Singh: Ist morgen oder jetzt Tag des Guru?

Schüler: Ja, Guruwar (Tag des Guru) – morgen!

Sant Kirpal Singh: Heute ist auch Guruwar. Der Guru ist nicht an den 'Tag des Guru' ge­bunden. Er ist frei. Er kommt, um euch freizumachen. Er wird euch eine Verbindung mit der Wahr­heit geben, die euch von allen äußeren Verstrickungen frei machen wird. Des­halb sagte Christus: "Jene, die nicht täg­lich das Kreuz auf sich nehmen, sind nicht meine Schüler." Nehmt morgen das Kreuz auf euch! Warum nicht fliegen (sich erheben)? Nehmt das Kreuz! Um das Kreuz auf euch zu nehmen, müsst ihr hier oben sein (Meister zeigt auf die Stirn). Das ist das Kreuz. (Meister brei­tet Seine Arme aus und bildet mit Sei­nem Körper ein Kreuz). Ich werde euch hier nicht mehr finden können, wenn ihr alle frei seid.

Der Tag der Unabhängigkeit liegt nicht in der Reichweite äußerlicher Menschen. Das ist also wahre Freiheit. Die äußere Freiheit kommt auch nur, wenn (keine Notwendigkeit für Militär oder derglei­chen besteht). Wenn jeder Mensch an der Freiheit teilhat, ohne dafür kämpfen zu müssen, wird das Königreich Gottes auf die Erde kommen, versteht ihr? Der Mei­ster kommt, um uns von allen Ver­strickungen zu befreien, seien sie phy­sisch oder astral. Er erklärt euch, wie man dies erreichen kann. Bleibt nicht in die­sem Raum stecken. Wenn ihr euch erhebt, könnt ihr frei atmen. Wenn ihr euch über den Körper erhebt, dann ist alles frei. Wenn man euch zwingen würde, in ei­nem unbelüfteten Haus zu leben, ohne Fenster, in dem es stockdunkel ist es und keine frische Luft gibt – hättet ihr dann nicht bald genug davon? Würdet ihr nicht lieber in einen Raum dieses Gebäudes ge­hen, das besser belüftet ist, wo alles frei ist wie Luft, Sonne und Wasser?

Wenn ihr frei seid von allen Wün­schen, dann seid ihr wirklich frei. Seid wunschlos. Das sagen alle Meister. Der zehnte Guru sagte auch "Kama nahin". Alles, was man tut, ohne einen Ausgleich dafür zu erwarten, ist wahre Arbeit. Wenn ihr Belohnung oder Gegenleistung er­wartet, dann seid ihr natürlich gebunden.

Frage: Wie erreicht man diesen Zu­stand der Wunschlosigkeit?

Sant Kirpal Singh: Ohne Wunsch zu sein? Lies die 'Sieben Wege'. Die Wahrheit ist frei. Wenn man in Verbindung mit der Wahr­heit kommt, dann ist man frei. Alle Dun­kelheit ist beseitigt. Ihr kommt aus dem Pindi–Haus (dem physischen Körper) her­aus, in dem sie euch keine Luft zum At­men lassen. Die Atmosphäre ist sehr stickig. Erhebt euch in ein höheres Glück.

Würdet ihr nicht gerne aus diesem engen, engen Gebäude herauskommen? Die Meister zeigen euch am allerersten Tag, wie es möglich ist. Wer kommen und ge­hen kann nach Belieben, so wie er will, ist frei.

Ja, sonst noch jemand? Ich hoffe, ihr erfreut euch morgen der Unabhängigkeit. Wenn ihr alle daran teilnehmt, werde ich eure Gesichter alle nicht hier sehen.

Frage: Ihr überschüttet uns mit so viel Gnade und Güte. Wie können wir das ver­gelten?

Sant Kirpal Singh: Indem ihr euch an Seine An­weisungen haltet. Tut, was Er sagt. Oh­ne Klage, ohne Murren. Was Er auch gibt, solltet ihr mit Freude annehmen. Meistens fangen wir an, uns zu beklagen.

Schüler: Ja, wenn man nur eine Sa­che nicht bekommt, fängt man an zu mur­ren.

Sant Kirpal Singh: Je mehr das Schaf blökt, um so mehr Bissen fallen ihm aus dem Maul. Ich sage euch, dass ihr die Meditation ge­nau einhalten solltet. Setzt mehr Zeit dafür ein, nehmt das Kreuz täglich auf euch. Das wird euch mehr Segen bringen. Als allererstes haltet die Anweisungen hun­dertprozentig ein; dann entwickelt genau die Gewohnheiten und die Wesensart des Meisters. Das kann man nur durch Empfänglichkeit erlangen. Ihr werdet dadurch zwei Drittel mehr erhalten. Wann fängt euer Unabhängigkeitstag an? Wann?

Schüler: Je früher, desto besser, den­ke ich. (Meister lacht)

Sant Kirpal Singh: Ich möchte, dass ihr geht und bereit seid, euch an dem Tag der Unabhängigkeit zu erfreuen. Paraden und Re­den binden euch, sie machen euch nicht unabhängig. Sie sind nur weitere Ketten. Erhebt euch darüber!

Frage: Meister, wenn man wahr zu sich selbst ist in Gedanken, Worten und Taten, ist das ausreichend?

Sant Kirpal Singh: Nicht nur das, es gehört noch etwas mehr, viel mehr dazu. Wenn die lie­bevolle Erinnerung an den Lehrer in Gott da ist, dann wird man empfänglich.

(Das Licht geht aus)

Schüler: Meister macht die Dunkelheit schön.

Sant Kirpal Singh: In nur drei Minuten Stille kann man nach der Unabhängigkeit ver­langen, innerhalb von drei Minuten Stil­le, oder könnt ihr das nicht?

Frage: Geliebter Meister, wenn je­mand einen großen Wunsch hat, nämlich einfach nur bei Euch zu sein? Man küm­mert sich um sonst nichts, man möchte einfach nur mit Euch gehen?

Sant Kirpal Singh: Wenn der Wunsch aufrichtig ist, wirst du es erhalten. Ihr seid bereits da, (bei Ihm) aber ihr erkennt es nicht. Ihr seid niemals allein.

(Meister warf einen Kieselstein in den dunklen Raum und erklärte, dass die Men­schen nach draußen gehen, um ihn dort zu suchen, da sie im dunklen Raum nichts sehen.)

Ich sage euch, sie denken, dass dort mehr Licht ist und dass sie es im Äußeren finden könnten, weil dort mehr Licht ist. Nun, Gott segne euch. Geht.