Hindivortrag von Sant Kirpal Singh, Delhi

Die Menschen haben viele verschiedene Wünsche: Heilung von Krankheiten, Reichtümer, Ruhm und Ehre, und einige verlangen nach Erlösung. Ein Meister sagt: "Nur wer von allen Wünschen frei ist, genießt die wahre Süße von Naam – seinen wahren Nektar." Ohne Naam wäre solch ein Schüler wie ein Fisch ohne Wasser, denn Naam ist sein Leben, ohne Naam kann er nicht sein. Guru Nanak drückt es so aus: "Durch Naam lebt er, ohne Naam stirbt er." Er sagt auch: "Je mehr ich an Ihn denke, desto mehr Leben erhalte ich, drückt es so aus: "Durch Naam lebt er, ohne Naam stirbt er." Er sagt auch: "Je mehr ich an Ihn denke, desto mehr Leben erhalte ich, ansonsten sterbe ich." Dies gibt uns einen Hinweis auf (die Größe von) Naam, aber Naam ist nicht etwas, über das man nur spricht; man muss damit in Verbindung kommen, eine Erfahrung davon erhalten und sich daran erfreuen.

"Sagun wie auch nirgun, sind beides Formen von Brahm. Sie sind unbeschreiblich, unergründlich, ewig und unvergleich­lich. Ich aber denke, dassNaam höher als beide ist, denn sie werden von Naam kontrolliert."

Was kommt durch 'sagun' und 'nirgun' zum Ausdruck? Naam. Naam ist die Kraft, die alles beherrscht, und man braucht ein sehr gutes Schicksal, um eine Ver­bindung mit Naam zu erhalten. Es ist ein tiefgehendes, subtiles Thema, aber Tulsi Das legt es auf wunderbare Weise dar.

"Die kompetenten Menschen wissen alles. Ich aber spreche über dieses Wissen aus der Liebe in meinem Herzen."

Die Meister wissen alles — und so erzählt uns Tulsi Das dies aus der Weisheit seiner eigenen Erfahrungen, aus den Tiefen der Liebe in seinem Herzen.

"Wir sehen das Holz, doch das Feuer in ihm ist verborgen; nur die Erwachten sehen die Dinge richtig."

Jetzt drückt er es bildlich aus. Zum Beispiel ist im Holz Feuer verborgen, und doch kann man es nicht sehen; genauso sind 'sagun' und 'nirgun' Formen von Brahm. Wenn der Mensch wirklich diese große Wahrheit verstehen würde, erhielte er durch dieses Wissen Erlösung. Aber in seinem jetzigen Zustand ist er an das Rad der Ge­burten und Tode gebunden.

"Meditation über 'sagun' wie auch über 'nirgun' sind beide schwieriger als die Meditation über Naam. Naam ist größer als Brahm und Ram."

Alle Praktiken in den Bereichen von 'sagun' und 'nirgun' stellen sehr hohe Anfor­derungen, aber die Meditation über Naam ist in keiner Weise schwierig. Warum? Weil nur durch Naam die Formen Gottes als 'sagun' und 'nirgun' verstanden werden können. Ohne Naam können diese Aspekte Gottes gar nicht erfasst oder begriffen werden, einschließlich der äußeren Erscheinungsformen der Schöpfung.

Wenn man sich über die Sinne erhebt, erhält man im Inneren diese spirituelle Ver­bindung mit Naam, und dies ist nur durch die Hilfe eines kompetenten Meisters möglich. Das wahre Verstehen beginnt, nachdem diese Verbindung hergestellt ist. Je­mandem zum Beispiel die Funktion eines Kraftwerkes zu erklären, ist eine Sache, wenn aber derjenige tatsächlich das Gebäude besucht, entwickelt er ein tieferes Ver­ständnis dafür, wie ein Kraftwerk funktioniert.

"Der alles durchdringende Herr ist unvergänglich; Er ist die erwachte Wahrheit, die Quelle aller Glückseligkeit."

Der Allmächtige und Allgegenwärtige vibriert in jedem Atom – es gibt keinen Ort, an dem Naam nicht existiert – und Naam ist ein wahres Schatzhaus des Glücks. Was immer erschaffen wurde, kam durch Naam ins Sein, es gibt keinen Ort ohne Naam.

"Der makellose Herr wohnt in jedem Herzen; und doch ist die Welt voller Trübsal."

Man wird sich vielleicht wundern und über den Widersinn der Tatsache nachden­ken, dassGott in jedem Wesen wohnt und doch jeder unglücklich ist. Wir schwim­men in Ihm wie ein Fisch im Wasser, wir leben in diesem lebensspendenden Nektar, aber wir sterben vor Durst. Was ist der Grund für diese traurige Situation?

"Wenn sich die wahre Form von Naam im Inneren manife­stiert, dann nur durch aufrichtiges Bemühen."

Die Ursache für all unsere Sorgen liegt darin, dassNaam nicht in uns offenbart ist. Die Möglichkeit, eine Erfahrung von Naam zu erhalten, hat jeder in sich, genauso wie das Feuer im Holz ist – es muss nur offenbart werden.

"Offenbart das verborgene Naam. Und: Offenbart den verborgenen Ton."

Damit das möglich ist, muss der Sucher bereit sein, sich etwas zu bemühen – um etwas zu erhalten, was von unschätzbaren Wert ist. Um den Wert eines Edelsteins feststellen zu können, muss er von den anderen Steinen aussortiert werden und geson­dert untersucht werden, sonst bleibt er ein Stein wie jeder andere. All unser Leid be­ruht auf der fehlenden Verbindung zu Gott.

"Wasser, überall Wasser, aber kein einziger Tropfen zum Trinken!"

Der Herr ist überall, wo ist Er nicht? Aber die Menschen haben nicht das Glück, auch nur die kleinste Erfahrung von Ihm zu haben – darum sterben wir vor Durst. "Er ist in uns, aber wir wissen es nicht. Oh, verflucht sei dieses Leben, diese Lebens­weise! Oh Tulsi, die ganze Welt leidet an grauem Star!" Bheek Sahib drückt es ähn­lich aus: "Oh Bheek, niemand braucht hungrig zu sein, denn jeder trägt fest ver­schnürt einen Rubin bei sich. Dennoch denkt niemand daran, den Knoten zu lösen." Dieser Edelstein ist Naam, und ein Knoten verbindet Materie und Bewusstsein mit­einander. Solange man diesen Knoten nicht öffnet, indem man sich über das Körper­bewusstsein erhebt und eine Verbindung mit Naam erhält, wird man sein ganzes Le­ben lang hungrig bleiben. Wir mögen materielle Reichtümer besitzen, aber spirituell leben wir wie Bettler.

"Die Naamkraft ist unbegrenzt, sie geht über 'nirgun' hinaus. Ich sage, Naam ist größer als Rama das entspricht meinem Verstehen."

Die Kraft von Naam reicht bis über die Stufe von 'nirgun' hinaus und ist deshalb die größere Kraft. Da Tulsi Das bereits dieses Rätsel des Lebens in all seinen Aspek­ten gelöst hat, ist er eine Autorität auf diesem Gebiet. Weiter zeigt er uns durch einen Vergleich, dassNaam größer als Rama ist.

Um den Ergebenen des damaligen Zeitalters zu helfen, nahm Rama physische Ge­stalt an. Er befreite all die Weisen, Rishis und Munis von dem Unglück, das ihnen böse Kräfte zufügten, die zu der Zeit sehr zahlreich waren. Dies ist die Arbeit eines Avatars. Immer wenn die Wahrung von Moral und Rechtschaffenheit bedroht ist, wird ein Avatar in die Welt gesandt, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Wenn irgend ein Land schlecht regiert wird und Aufruhr beginnt, übernimmt das Militär die Macht, und die Unruhen werden beseitigt. Anschließend wird die Herr­schaft wieder der Zivilregierung übergeben. So ist es auch in größerem Umfang, wenn sich die Situation in der Welt zu einem Zustand entwickelt hat, der nicht mehr unter der Kontrolle des Menschen ist. Dann manifestiert sich die Kraft Gottes in der Form eines Avatars, der das Chaos und das Unglück beseitigt und die Rechtschaf­fenheit wieder herstellt. Der Avatar Ramchandra oder Lord Rama, der als eine In­karnation von Lord Vishnu gilt, wurde als Sohn von König Dashrath geboren. Er war ein Avatar, der über alle vierzehn übernatürlichen Kräfte verfügte. Tulsi Das, der Autor des großen Epos, erzählt uns von den zwei Erscheinungsformen der glei­chen Kraft, von denen die eine die andere bedingt. Es gibt jedoch einen großen Un­terschied zwischen den beiden, zwischen dem Ram der Meister und dem Ram der Welt.

"Der eine Ram war der Sohn von Dashrath, das andere Ram vibriert in jedem Wesen. Der eine Ram ist das Spiel der ganzen Schöpfung, das andere Ram ist anders als alles andere."

Es besteht ein großer Unterschied zwischen Ram, der sich als Avatar Ramchandra manifestierte, und dem Ram, das sich von allen Kräften unterscheidet und über ih­nen steht.

"Der Ergebene Gottes (Ram) nahm menschliche Gestalt an, trug die Lasten der Welt und brachte den Ergebenen Frieden. Das liebevolle Wiederholen von Naam ist leicht und hilft dem Schüler, die Stufe der Glückseligkeit zu erreichen."

Wenn der Schüler den Simran von Naam voller Liebe und Hingabe wiederholt, wird er ohne Schwierigkeiten die Stufe aller Glückseligkeit erreichen. Nun beginnt Tulsi Das, Einzelheiten zu vergleichen:

"Ramchandra befreite eine Frau mit Namen Ahlia aus der Verdammnis; Naam gibt Unzähligen die Erlösung."

Es gibt eine Begebenheit in Lord Ramas Leben: Eine Frau wurde zur Strafe für ei­ne Sünde, die sie begangen hatte, für mehrere tausend Jahre in einen Felsen verwan­delt. Lord Rama befreite die Seele aus der Gefangenschaft in dieser niedrigen Aus­drucksform, indem er den Felsen mit seinem Fuß berührte. Aber Tulsi Das erklärt, wie Naam im Vergleich dazu allen Seelen, die sich zurückentwickelt haben, Freiheit gewährt. Das ist ein klarer Hinweis auf die Größe von Naam. Es wird noch deutli­cher, wenn man versteht, dassNaam sowohl die Avatare als auch die Meister ge­schaffen hat. Elektrizität kann zum Beispiel Kälte oder Wärme erzeugen. Beides ist sehr nützlich, doch es sind unterschiedliche Erscheinungsformen der gleichen Kraft. Auf der einen Seite wirkt diese große Naam-Kraft im Avatar wie ein Oberbefehlsha­ber der Armee, und auf der anderen Seite wirkt sie im Meister wie ein Vizekönig. Bei­de sind Ausdrucksformen der gleichen Kraft, aber mit unterschiedlichen Aufgaben – wie Kabir sagt: "Gott hat die negative und die positive Kraft erschaffen, denn Er wollte das Spiel der Schöpfung beginnen." Beide entstammen sie Gottes großer Kraft, Er gebraucht sie innerhalb Seines Schöpfungsplans. Diese Kraft erhält alles, sie steht hinter allem. Nur ihre Art zu wirken, ist unterschiedlich; das ist alles.

Die Avatare bestrafen die Sünder und belohnen die Rechtschaffenen. Die Meister befreien die Aufmerksamkeit, die Seele, aus der Gefangenschaft des Gemüts und der Sinne und verbinden sie mit ihrer Quelle.

Die Aufgabe der Avatare ist, die Ordnung in der Welt wieder herzustellen und zu bewahren, damit sie weiterhin für die Seelen bewohnbar bleibt. Die Aufgabe des Meisters ist, die Seelen aus der Welt zu befreien, sie über das Gemüt und die Sinne zu erheben und mit Naam zu verbinden. So erhalten beide Kräfte, die positive und die negative, ihre Macht von dem einen Herrn.

Es gibt Menschen, die diskutieren darüber, ob die positive Kraft größer ist oder die negative Kraft. Brüder, ihr müsst genau verstehen, dass beide Kräfte in dieser Welt wirklich notwendig sind. Die negative Kraft hält die Gesetze der Schöpfung aufrecht. Die Polizei eines Landes befasst sich nicht mit denjenigen, die sich an die Gesetze hal­ten, sondern ist den guten Bürgern vielmehr ein Schutz. Die Aufgabe der negativen Kraft ist sehr wichtig, genauso wie die der positiven Kraft, und wir müssen beide re­spektieren. Das Ziel der Meister ist, das Kommen und Gehen des Menschen in der Schöpfung zu beenden und die Seele von der Materie und den Sinnen zu befreien, so dass sie schließlich ohne unnötige Verzögerung ihre wahre und ewige Heimat erreicht. Die Meister sagen uns, dass diese Welt voller Negativität und ein schlechter Aufent­haltsort ist; während wir hier leben und unsere Verpflichtungen erfüllen, sollten wir uns mit der positiven Kraft verbinden und dann lernen, beide Kräfte zu überschreiten und den Erhalter von allem erkennen.

"Ram wirkte für den Frieden der Rishis. Für die Gerechtigkeit zog er selbst in den Krieg."

Lord Rama tötete die mächtige Dämonin Tarka, die den großen Weisen Vishvamitra und andere Rishis in ihrer Meditation störte, und aus dem gleichen Grund auch ihren Sohn Marich. Was aber bewirkt Naam?

"Naam löscht die Sünden des Schülers und beendet sein Leid. Naam gewährt eine Verbindung mit sich selbst, wodurch die Dunkelheit beseitigt wird, wie der Sonnenaufgang die Nacht vertreibt."

So wie die Dunkelheit der Nacht der Morgendämmerung weicht, wird die Dunkel­heit der Unwissenheit und der Sünde durch die Verbindung und Praxis mit Naam vertrieben. Ihr könnt sagen, dassalle niederen Handlungen vom Feuer des Wissens verzehrt werden, welches die Kraft von Naam ist.

"Ram zerbrach eigenhändig Shivas Bogen; doch durch die Gnade von Naam wird alle weltliche Furcht vertrieben."

Lord Rama war der einzige, der den mächtigen Bogen von Lord Shiva zerbrechen konnte, und dadurch erhielt er das Recht, Prinzessin Sita, die Tochter des berühmten Königs Janak, heiraten zu dürfen. Naam dagegen hat die Macht, alle Furcht zu vertreiben – durch regelmäßige Verbindung mit Naam wird man furchtlos.

"Ram ließ den versteinerten Wald mit Leben erblühen; Naam belebt die Herzen der Menschen. Ram zerstörte das Geschlecht des Bösen; Naam zerstört im Kaliyug alle Sünden."

Lord Rama vernichtete die Rakshasas und ihre gesamte Familie (das Geschlecht des Bösen), aber im eisernen oder negativen Zeitalter (Kaliyug) werden diejenigen von ihren Sünden befreit, die Naam erhalten.

"Ram gewährte dem ihm ergebenen Geier Erlösung; nach den Veden gibt Naam Millionen die Erlösung."

Als König Ravan Sita, Rama's Frau, entführte, griff ein Geier mit Namen Jitayu, welcher Lord Rama tief ergeben war, Ravan an und versuchte, Sita zu retten, doch er wurde im Kampf tödlich verletzt. Die Erzählung berichtet auch von einer anderen großen Ergebenen, einer Bhilni (Kastenlose), die sich viele Jahre auf das Kommen von Lord Rama vorbereitete, indem sie die Dornen von den Waldwegen entfernte und sie immer sauber hielt. Auf seiner Reise – um Sita von Ravan zu befreien – kam Lord Rama schließlich an diesem Ort vorbei. Die Schülerin bot ihm wilde Bee­ren an, die sie einzeln auf ihre Süße gekostet hatte, bevor sie die Beeren Lord Rama anbot. Er nahm sie gerne an. Lord Rama gab diesen beiden ergebenen Seelen Erlö­sung, aber Naam gewährt die Erlösung unzähligen Sündern.

Ihr werdet das höchste Lob über Naam in vielen heiligen Schriften finden, ein­schließlich der Veden und Shastren. Auch Tulsi Das erwähnt in seiner Erzählung des Ramayana-Epos viele Beispiele für die Größe von Naam. Zum Beispiel gab Lord Rama Ravans Brüdern Vibhishan und Hanuman die Erlösung, indem er ihnen be­sondere Aufträge innerhalb seiner Mission zuwies, während Naam vielen unbekann­ten und armen Menschen Erlösung durch Dienen gewährt. Ebenso errichtete Lord Rama eine Brücke über den Ozean, während Naam wie eine Brücke über das Meer des Lebens führt und die Seele sicher an das Ufer der Freiheit bringt. Außerdem töte­te Lord Rama Ravan und alle Mitglieder seiner großen und bösartigen Familie. Naam aber zerstört alle Verhaftung und Täuschung, wenn es vom Schüler mit aller Liebe und Aufrichtigkeit praktiziert wird. Welche weiteren außergewöhnlichen Ei­genschaften erwähnt Tulsi Das noch?

"Durch die Größe von Naam bereicherte Shiva das Unheilvolle."

Lord Shiva suchte die unheimlichsten Orte auf, wie zum Beispiel Verbrennungs­plätze, und auch seine Gefährten – zum Beispiel Schlangen – waren unheilverhei­ßend. Schon allein sein Anblick war furchterregend, sein nackter Körper war mit Asche beschmiert. Doch weil er durch Naam gesegnet war, begannen, wo er auch hin ging, diese finsteren Orte zu erblühen und werden seitdem verherrlicht; und Schlangen und Asche sind, wie wir alle wissen, zu verheißungsvollen Symbolen ge­worden. Solch außergewöhnliche Dinge sind durch die Gnade von Naam möglich.

"Rishis, Munis und Yogis, die die Glückseligkeit von Brahm erreichten, verwirklichten dies mit dem Segen von Naam."

Die alten Weisen erreichten ihre spirituelle Höhe – bis zu welchem Punkt sie im Inneren auch fortschritten – nur durch die Gnade von Naam.

"Auch Narad erkannte den Segen von Naam und wurde zum Geliebten des Herrn."

Narad war ein sehr ergebener Schüler, der die Kraft von Naam erkannte, und da­durch wurde er zum Geliebten des von der Welt geliebten Vishnu (eine der drei Hindu-Gottheiten; die das Universum erhält). Naam ist keine neue Kraft, sie besteht schon seit Anbeginn der Welt. Jeder der Spiritualität lehrt, gibt so viel von seinem Verstehen weiter, wie er selbst erkannt hat, und nicht mehr. Wie viele gibt es, die Naam in seiner Gesamtheit erkennen können? Wer auch immer das Glück hatte, die Erlösung zu erhalten, erreichte sie nur durch die Gnade von Naam, durch nichts an­deres; und jeder erlangte die Freiheit, die dem Grad seines inneren Fortschritts ent­sprach.

"Der Segen des Herrn strömt auf den herab, der Naam wieder­holt. Prahlad ist ein leuchtendes Beispiel."

Prinz Prahlad war dem Herrn so ergeben, dassdieser ihm großes Wohlwollen zuteil werden ließ und er sich unter den Ergebenen strahlend heraushebt. Die Herrlichkeit von Naam ist ewig. In jedem Zeitalter aber vergessen die Menschen die Herrlichkeit von Naam, darum müssen die Meister immer wieder kommen, um die alte, alte Wahrheit neu zu beleben. Kabir erzählt seine eigene Geschichte, wenn Er sagt: "Ich kam in allen vier Zeitaltern: im Satyug (goldenes Zeitalter) war mein Name Satsukrat, im Tretayug (silbernes Zeitalter) hieß ich Karunamae, als ich im Dvarparyug (kupfernes Zeitalter) kam, war mein Name Munindhar, im Kalyug (eisernes Zeital­ter) ist mein Name Kabir." In allen vier Zeitaltern sprach er zu den Menschen über die Größe von Naam.

Viele haben den Eindruck, dassdiese Lehre etwas Neues ist, aber in Wirklichkeit ist sie das Älteste von allem. Manchmal scheint sie im Äußeren aufgrund kleiner Unterschiede in der Darstellung oder Beschreibung der einzelnen Meister etwas anderes zu sein. Aber die Verbindung mit Naam bleibt die gleiche, und auch alle anderen inne­ren Aspekte bleiben bestehen. In der Welt wird viel über Naam gesprochen, aber nie­mand ist in bewusster Verbindung mit Naam. Wenn die Meister kommen, um das Verstehen neu zu beleben, geben sie auch die Verbindung mit Naam, die die Lehre aufblühen lässt.

"Dhruv, über seinen Vater empört, wiederholte Gottes Namen und erlangte unaussprechlichen Frieden."

Voller Zorn über die Ungerechtigkeit in der Welt, verließ Prinz Dhruv sein König­reich und begann in den Wäldern zu meditieren, und schließlich erreichte er die Stufe des vollkommenen Friedens. Weil ihm die Welt verhasst war, wandte er sich Gott zu, doch als er sich über die materielle Ebene erhob, gelangte er zu friedvoller Glückse­ligkeit – allein durch die Gnade von Naam.

"Als Hanuman, 'der Sohn des Windes', durch Simran Naam erkannte, hatte er Ram in der Hand."

Hanuman wird der Sohn des Windes genannt, und Tulsi Das sagt, dass er durch Wiederholen des Simran das Wissen von Naam erlangte, was ihn in den Stand ver­setzte, dass all seine Wünsche von Lord Rama erfüllt wurden. Diese Begebenheiten werden erzählt, um zu zeigen, wie jeder spirituelle Aspirant auf die Kraft von Naam vertrauen muss, um Erfolg zu haben. Auch heutzutage gibt es keine andere Möglich­keit; wer die Erlösung erlangt, erlangt sie durch Naam. Das Wichtigste ist, mit dem verbunden zu werden, was hinter Name und Form steht und beides erhält.

"Ajamil und die Sängerin Ganika erhielten durch das Naam des Herrn die Erlösung."

Auch ein großer Sünder wie Ajamil oder die Prostituierte Ganika wurden durch Naam erlöst. Warum sollten nicht auch wir die Möglichkeit wahrnehmen und die Er­lösung erlangen, indem wir mit Naam in Verbindung kommen? Guru Ram Das er­klärt, dassein riesiger Holzstoß in kurzer Zeit zu Asche verbrennt, wenn man einen kleinen Funken Feuer daran legt. Ebenso braucht man nur einen kleinen Funken von Naam, um die riesige Ansammlung von Sünden zu verbrennen. Tulsi Das erzählt so viele Begebenheiten, alle zur Ehre von Naam. Und was sagt er zum Schluss?

"Wie kann man Naam preisen? Selbst Ramchandra konnte sein Lob nicht singen."

Dies betont die Unmöglichkeit, die Größe von Naam zu beschreiben. Man kann nur sagen, dasses einen Ort gibt, wo Naam sich manifestiert, und das ist der menschliche Pol (der Meister). Es gibt ein großes Kraftwerk, das soviel Energie spendet, wie der Pol aufnehmen kann, und von diesem Pol aus wird sie dann verteilt.

Das Thema Naam ist so tiefgehend, dass es nicht mit Worten erklärt werden kann, es ist jenseits aller Sprache. Tulsi Das erniedrigt Lord Rama nicht, wenn er sagt, dass er Naam nicht loben konnte. Denn alle verwirklichten Seelen haben festgestellt, dass man Naam nicht in Worten ausdrücken kann. Der menschliche Pol offenbart soviel von der Naam-Kraft, wie er aufnehmen kann. Guru Nanak ging so weit zu sagen: "Selbst wenn man alles, was die Rishis, Munis und Mahatmas zum Lob von Naam gesungen haben, verdoppeln würde, bliebe es noch ein armseliger Versuch, die Größe von Naam zu beschreiben."

"Gottes Naam ist ewig, aber es wirkt im Kalyug. Wer den Simran (von Naam) wiederholt, kann sich glücklich schätzen. Tulsi wurde zu Tulsi Das."

Das unvergängliche Naam vibriert unaufhörlich im ganzen Universum, und in die­sem Kalyug gibt es keine Erlösung ohne die Verbindung mit Naam. Tulsi Das sagt, dasser durch die Hingabe an Naam von dem armen Tulsi zu Tulsi Das wurde, (das heißt, er wurde zu einer geachteten Persönlichkeit). Er ist der Autor des großen Ramayana-Epos, aus dem diese Hymne stammt. Dies ist eine der heiligsten Hindu-Schriften, ein vollständiges und umfassendes, großartiges Werk über Moral und rechte Lebensweise, ein Werk, das in der ganzen Welt in hohem Ansehen steht. In dieser heiligen Schrift wird Naam in unmissverständlichen Worten gelobt.

Verschwendet keine Zeit mit Kleinigkeiten, Brüder, mit den unterschiedlichen äu­ßeren Aspekten der Religionen und der religiösen Bildung, erhebt euch darüber! Ihr seid gesegnet, dassihr einer Religion angehört, und ich gratuliere euch dazu. Bleibt in eurer Religion, folgt ihren Glaubenssätzen und lebt danach – aber erlangt das Wis­sen von Naam!

Nach welchem Maßstab oder Kriterium wählte Guru Arjan aus der Vielzahl der Schriften diejenigen aus, die für die Zusammenstellung des Guru Granth Sahib ge­eignet waren? Er wählte das aus, was von denen berichtet oder geschrieben wurde, die Naam verwirklicht hatten – von wahren Schülern von Naam. Ihr werdet dort die Worte finden von Kabir dem Weber, von Ravidas dem Schuster, Trilochan dem Brahmanen, Dhanna dem Bauern, Saina dem Barbier und von anderen Heiligen aus unterschiedlichen Kasten. Denkt immer daran, dassder Mensch die unterschiedlichen Religionen, Kasten und Klassen geschaffen hat! Gott schickte die Menschen nicht mit einem Brandzeichen versehen zur Erde! Gott schuf den Menschen – das ist der Name, den die Seele erhält, wenn sie in der menschlichen Form ist. Die Seele ist vom gleichen Wesen wie Gott, und daher hat sie auch die gleiche Kaste wie Gott.

Einmal fragte jemand Hazur (Baba Sawan Singh): "Maharaj, wer bist du?" Hazur antwortete: "Wenn Gott ein Hindu ist, dann bin ich Hindu. Ist Er ein Sikh, bin ich Sikh; und wenn Er ein Christ ist, dann bin auch ich ein Christ. Die Kaste der Seele ist die Gottes, aber was die äußere Form anbelangt, bin ich ein Sikh."

Wir müssen in einer Gemeinschaft leben, ansonsten müssen wir wieder eine neue Gemeinschaft gründen; das wäre aber reine Zeit Verschwendung, wenn uns der Herr selbst die Geburt in einer bestimmten Religionsgemeinschaft gegeben hat, die geeig­net ist, das Karma des einzelnen zu erfüllen. Lebt ein Leben der Rechtschaffenheit, lebt ein ethisches Leben – und während ihr ein solches Leben führt, befreit eure See­le vom Gemüt und den Sinnen, indem ihr in Verbindung mit Naam kommt. Die Ge­meinschaft ist lobenswert, in der man das erreichen kann. Wenn jemand zu einem kompetenten Meister kommt, achtet dieser nicht auf die Religionszugehörigkeit, denn Er weiß, dass der Mensch eine verkörperte Seele ist und dass alle Seelen gleich sind – niemand ist hoch oder niedrig, es ist keine Frage von Ost oder West, Nord oder Süd. "Wisset, dass die Religion aller Menschen die gleiche ist." Der Mensch ist ausschließlich eine verkörperte Seele, aber unglücklicherweise hat er sich selbst ver­gessen. Er weiß nichts davon, dass er nicht der Körper, sondern der Bewohner des Körpers ist – eigentlich lenkt er den Körper! Alle Meister sind dafür eingetreten, dass man sein wahres Selbst erkennen sollte – das ist die Wissenschaft von Naam. Naam ist das 'Kalma' der Moslem-Propheten, die sagen, dass die vierzehn 'tabaqs' oder Re­gionen daraus entstanden sind. Was bedeutet Kalma? Ist es nur ein Wort? "Oh Gott, erzähle mir von dem Ort, von dem Dein unausgesprochenes Wort ausgeht!" Dies verdeutlicht, dass die weltlichen Worte nichts damit zu tun haben. Vierzehn 'tabaqs' entstanden aus dem Kalma!

In den Hindus-Schriften heißt es, dassdurch 'Nada' vierzehn Ebenen geschaffen wurden. Im Gurbani heißt es: "Durch Naam entstand Khand und Brahmand." Und: "Himmel und Erde wurden durch den Tonstrom erschaffen." Das neue Testament sagt: "Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Alles wurde durch das Wort gemacht, und ohne es wurde nichts gemacht, das gemacht wurde." Guru Nanak sagt: "Die ganze Schöpfung kam durch den Ton­strom ins Sein; oh Nanak, der Tonstrom vibriert in jedem Wesen." Ihr könnt es den Ton, Shabd, Kalma, Naam nennen oder es mit anderen Namen bezeichnen: die ungeoffenbarte Geschichte, 'Sruti' oder 'Udgit', wie es in den Upanishaden genannt wird. Alle Meister haben es gepriesen, jeder auf seine Art. Wenn die Worte der Mei­ster alle mit einem empfänglichen Herzen gelesen werden, werden die Menschen ein­ander näher kommen; es ist nur Engstirnigkeit und zur Schau getragene Frömmig­keit, die uns voneinander trennt.

Dieser Ort ist ein Ort für alle, ein gemeinsames Forum, wo ihr jetzt alle zusammen­sitzt und diese Worte aus dem Ramayana hört. Wir befassen uns hier mit allen heili­gen Schriften, denn die Lehre der Meister war immer eine. Es ist eine Wissenschaft der Seele, so wie die Medizin die Wissenschaft vom physischen Körper ist. Bleibt in der Religion oder Glaubensgemeinschaft, der ihr angehört, aber lernt auch, euch so­weit zu erheben, bis ihr erkennt, dass die ganze Welt nur einer Religion angehört. Beurteilt den wahren Satguru von diesem Standpunkt aus: "Betrachtet den als Satguru, der alle vereint!"

Hier im Sawan Ashram gibt es keinen gesonderten Platz für Moslems oder Hindus oder Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften. Die Meister betrachten die ein­zelnen nicht als Vertreter bestimmter Religionen, sie lassen einfach alle zusammensit­zen, denn sie sehen die Welt durch das spirituelle Auge. Ihre Arbeit hat nur ein Ziel: die Seelen über die Sinne zu erheben, sie mit Naam zu verbinden und sie schließlich mit dem Höchsten, Namenlosen und Formlosen Gott zu vereinigen. Um diese große Arbeit auszuführen, gibt es keinen Streit um hoch oder niedrig, niemandem wird an­geraten, seine Religion zu verlassen, und niemand befürwortet es, neue Glaubensge­meinschaften zu gründen. Die Meister raten dem Sucher, ein reines und keusches Le­ben zu führen – innerhalb seiner eigenen Religion und Tradition. Doch eines ist das Höchste von allem: Lasst euch mit Naam verbinden, um immerwährendes Glück zu erhalten, und bleibt dann in ständiger Verbindung mit Naam!