Auszug eines Hindi-Vortrages von Sant Kirpal Singh


Wenn ein wahrer Meister einen Schü­ler annimmt, ändert sich die Stellung die­ses Menschen. Wir waren verlorene Wan­derer, die keiner wollte. Vom Satguru an­genommen, wurden wir anerkannt. In der Obhut des Meisters wurden sie zu einer "angenommen" Seele.

Wir leben alle in menschlicher Gestalt, aber ein wirklich menschliches Wesen ist sehr selten. Jemand, der Mitgefühl für an­dere hat, der die Liebe in Person ist und so davon erfüllt ist, dass nichts anderes in ihm Platz findet, kann ein wahrer Mensch genannt werden. Wer so ist, hat die Kraft, diese Liebe auf die ganze Welt auszu­strahlen.

Gott ist Liebe, aber wir haben Ihn nicht gesehen. Wir können Ihn jedoch in per­sonifizierter Form sehen - in einem wah­ren Menschen, in dem Er sich offenbart, in einem menschlichen Pol, in dem die Gotteskraft auf Erden wirkt. Er ist die per­sonifizierte Liebe.

Im Gurbani heißt es: "Des Meisters Freude ist wie immer währender Früh­ling." Wenn wir Sein Geschenk erhalten, ist es wie ewiger Frühlingswind für die sich sehnende Seele, die sich nun an der spirituellen Nahrung erfreut. Es gibt zwei Arten von Hingabe: eine auf der Ebene der Sinne und die Hingabe des Gurmukh.

Erhaltet den Namen des Herrn durch das Wort des Meisters.

Durch das letztere wird die Ichheit ver­trieben, nicht durch das erste.

In der Hingabe des Gurmukh ist der Ton leicht zu hören.

Ihr könnt in nichts wirklich aufgehen, bevor nicht alles zur Ruhe gebracht wor­den ist; dazu braucht man Naam unbe­dingt. Im Herzen wird das Licht sichtbar, wenn ihr ganz versunken seid. Dieses Licht, das bereits in euch ist, bricht dann strahlend hervor. Und worin sollten wir uns versenken? In die Berauschung von Gottes Naam, durch die Lehre des Mei­sters. Dieses Naam wird euch zu Gott zurückbringen. Licht und Ton sind der Weg zurück zu Gott. Manchmal nennt man es Mystik, und es wird auch Surat Shabd Yoga genannt, doch es ist eine natürliche Praxis, die selbst ein Kind oder ein ehrwürdiger Greis ausüben kann. An­dere Praktiken sind für dieses Zeitalter viel zu langwierig. In Patanjalis Yoga zum Beispiel muss man sechs Zentren durch­queren, bevor man den Ton erreichen kann. So ist es also ein wunderbares Zu­geständnis Gottes an uns in diesem Zeit­alter, dass er es möglich machte, dass je­der, in jedem Alter, den spirituellen Weg gehen kann. In alten Zeiten musste man viele Jahre zu Füßen eines Meisters ver­bringen, bevor einem etwas gegeben wur­de – wer kann das heutzutage? Heute muss der Meister zuerst etwas geben, und dann lernt der Schüler, sein Leben zu reinigen.

Ihr werdet feststellen können: Je mehr das Kali Yuga (Eisernes Zeitalter) an Stärke zunimmt, umso mehr Gnade schenkt der Meister, um jede Seele zu retten.

Wer in einer Farbe gefärbt ist erfreut sich immer währender Freiheit. Er hat mit niemandem Streit.

Er hat rechtes Verstehen, er ist sich der Einheit allen Lebens vollkommen bewusst. Er bleibt unbetroffen in allen vorü­bergehenden Phasen des Lebens, während die Wellen auf der Oberfläche des Oze­ans des Lebens kommen und gehen. Er arbeitet unentwegt und ohne zu ermüden im Bereich der Handlungen und den­noch steht er über den Auswirkungen der Handlungen.

Wenn er ein Gurmukh ist, ist er un­empfindlich gegenüber den Wechselfäl­len des Lebens, der Manmukh ist unbe­ständig.

Ein Gurmukh ist, wer eins ist mit dem Meister. Und der Meister? Er ist das per­sonifizierte Wort. Im Meister manifestiert sich der Herr und verteilt Shabd. Er ist nicht von Shabd getrennt, und verbindet andere damit Wer jedoch Gemüt und Sin­ne verehrt – der Manmukh – wird immer fallen. Was kann man über die Rishis und Munis vergangener Zeiten sagen, die ein oder zweimal gefallen sind, wenn wir bei jedem Schritt, den wir tun, straucheln. Je­der, der unter dem Einfluss von Gemüt und Sinnen lebt, wird fallen. Man kann es mit einer Glut vergleichen, sie scheint unter der Asche ausgelöscht zu sein, doch wird sie mit dem kleinsten Windhauch wieder aufflammen. Wird jedoch Wasser auf das Feuer geschüttet – dann? Genau das ge­schieht mit dem Gurmukh.

Guru Arjan schickte einmal einen sei­ner Schüler zu einem anderen seiner Schüler, der in Gujarat lebte, einem in­dischen Bundesstaat in der Nähe von Bombay. ( Mein Meister schickte auch manchmal Leute zu mir und sagte: "Geh Bruder, bleib acht oder zehn Tage in sei­ner Nähe.") Guru Arjan also gab diesem Schüler ein Empfehlungsschreiben mit, in dem stand: "Behalte den Überbringer des Briefes einige Tage bei dir." Als er ankam und den Brief vorzeigte, war sein Gastgeber gerade damit beschäftigt, ei­ne Totenbahre vorzubereiten, und er frag­te, wozu. "Oh, sie wird gebraucht wer­den." Nach ein paar Tagen wurde die Hochzeit des Sohnes seines Gastgebers gefeiert, und nach der Hochzeitszere­monie im Haus der Braut brach der Sohn auf dem Nachhauseweg zusammen und starb. Als sie den Toten ins Haus brach­ten, ging der Vater in seine Werkstatt und brachte die Bahre, die er gemacht hatte. Überrascht fragte der Schüler, der bei ihm zu Besuch war: "Wenn du gewusst hast, dass dein Sohn sterben wird, warum hast du ihm erlaubt zu heiraten?" Sein Gast­geber erwiderte:"Das entspricht dem Ge­ben und Nehmen des Karmas." Der Schüler überlegte genau und erkannte, dass der Mann, als er die Bahre anfertig­te, keine Trauer gezeigt hatte, und als sein Sohn heiratete, zeigte er keine Freude. Was war er? Er war ein Gurmukh, ein Sprachrohr des Meisters. Der Meister ist das Sprachrohr Gottes, und wer jedes Wort des Meisters respektiert, wird ganz sicher Erlösung erlangen. Aber einen sol­chen Meister findet man nur durch ein außergewöhnlich gutes Schicksal.

Nun spricht er vom Manmukh: Ein Manmukh ist, wer Shabd nicht kennt und keine Ehrfurcht vor der Größe des Mei­sters hat.

Der Manmukh weiß nichts von Gott, der ewig ist, aber wenn ihr jemals erfas­sen könnt, was ein Meister ist, gibt es nichts weiter für euch zu lernen. Das lehrt der Meister mit Liebe und Überzeu­gungskraft – schließlich sind es seine Kin­der. Wenn das Kind voll Schmutz ist, kann Er es doch deshalb nicht töten. Da der Manmukh unter dem Einfluss des Gemüts steht, hat er wenig Verstehen. Er gehorcht dem Meister nicht, er will mit seinem Leben nicht dem Meister Freu­de machen, sondern kümmert sich um das, was er selber will. Was ist der Grund dafür? Er hat wenig oder gar keine Ver­bindung mit Shabd. Wenn jemand die Verbindung erhält, sollte er darauf ach­ten, dass sie immer intakt ist, und sie nicht zerbrechen, nur dann werden sich ganz ohne Anstrengung alle guten Eigen­schaften einstellen. Die kostbare Eigen­schaft wahrer Demut wird in seinem Her­zen wachsen. Allein auf Shabd zu hören ist ein Schatz, der alle Tugenden enthält.

Der Gurmukh wird eins mit Shabd, dem Schöpfer von allem, und alles ist Sei­ne Offenbarung.

Alles – sowohl innen als auch außen – ist das Spiel des Meisters oder Gottes Spiel, denn der Meister ist Shabd selbst. Als Guru Nanak gefragt wurde: "Wer ist dein Meister?" antwortete er: "Mein Meister ist Shabd, der Schöpfer von allem."

Nur wenn man ein Gurmukh wird, kennt man die Wahrheit. Das ist es, was man durch den Meister gewinnt.

Wenn jemand voller Ernsthaftigkeit vor einem gottverwirklichten Menschen sitzt, wird er durch seine Gegenwart ver­stehen, was Shabd ist, und was man wirk­lich vom Meister erhalten kann.

Der Gurmukh kennt den Herrn allen Karmas; in allen vier Zeitaltern stellt er die Lehre von Shabd unter Beweis.

Der Gurmukh singt das Lob von Sh­abd in allen Zeitaltern.Der Heilige Jo­hannes sagt uns: "Am Anfang war das Wort." Die ganze Schöpfung wurde da­nach geschaffen.

Nehmt euch in acht vor denen, die sich selbst als Meister bezeichnen, denn ein wahrer Meister wird das nie von sich sa­gen, sondern er sieht, dass Gott der Han­delnde ist. Manchmal kann es geschehen, dass jemand, der voll Berauschung ist, murmelt: "Ich bin Gott, ich bin Gott" Das ist etwas anderes, aber man kann den Ozean nicht mit einem Tropfen dieses Ozeans vergleichen. Die Sonne kann nicht mit einem ihrer Strahlen verglichen werden. Wenn "der Strahl" erkennt, was er ist, wird er von tiefer Demut ergriffen und ist voller Bescheidenheit. Gotter­kenntnis ist wie ein übervoll mit Früch­ten beladener Baum, das Gewicht der Früchte beugt die Zweige zur Erde. Er sieht das Wirken einer Kraft. Selbst wenn Steine nach ihm geworfen werden, wird er seinen Segen geben. Shankara sagt: "Es gibt keinen Unterschied zwischen Dir und mir, die Welle ist ein Teil des Ozeans, doch der Ozean kann nicht ein Teil der Welle sein."

Ein Gurmukh stirbt nicht und wird nicht geboren. Der Gurusikh ist eins mit Shabd selbst.

Wie kann jemand, der eins ist mit Sh­abd, geboren werden, und wie könnte er denn sterben? Er kehrt in die Heimat sei­nes Vaters zurück und kommt nicht mehr in die Welt. Sollte er doch zurückkom­men, dann nicht als Gefangener, sondern als Arzt, als ein Führer für die Mensch­heit.

Der Gurmukh erklärt das unver­gängliche, das unendliche Naam.

Er vermittelt rechtes Verstehen, er sieht zuerst und spricht dann. Ohne es gese­hen zu haben, sind Erklärungen wie das Wissen eines Blinden.

Durch einen Namen überflutete die Er­lösung alle vier Zeitalter. Dieser Name wird Shabd genannt.

Obwohl die Naam Kraft immer ein und dieselbe ist, ist sie unter vielen Na­men bekannt. Wenn der Meister die Ver­bindung gibt und das innere Auge öffnet, wird man im Äußeren dasselbe sehen, wie das, was man im Inneren sieht.

Der Gurmukh hat beständigen Frie­den und Freude in sich. In seinem Her­zen wohnt Naam.

Der Kontakt mit ihm gibt einem eben­falls Frieden und Gelassenheit. Er ist das Brot und Wasser des Lebens. Durchtränkt von der Liebe Gottes ist er wunschlos. Mag das Auf und Ab der Welt auch kom­men und gehen, es beunruhigt ihn nicht; selbst wenn sein Körper auseinander­bricht wird er dennoch unversehrt blei­ben. Er verlässt täglich den Körper, er stirbt täglich, und für ihn hat er Tod kei­nen Stachel. Christus sagte den Men­schen, dass sie das Kreuz täglich auf sich nehmen sollen. Mira Bai sagte: "Mein Geliebter ruht hoch oben auf einem Gerüst (am 3. Auge oben im Körper -über dem Knochengerüst), wie kann ich zu ihm gelangen?" Wie können die, die sich auf der Sinnesebene befinden, den Herrn treffen? Hundert Weise werden gleich denken, wie verschieden auch ih­re Sprache oder ihre Ausdrucksweise sein mag. Wer das Geheimnis erfahren hat, kann anderen eine Erfahrung geben und sie werden, wenn sie sie jeden Tag ver­mehren, so weise werden können wie er. Wünschen sich nicht alle Väter, die ihr Kind lieben, dass es sogar noch erfolg­reicher werden soll als sie selber? Und welches Kind wird das erreichen? Das Kind, das die Anweisungen des Vaters be­folgt.

Der Gurmukh wird sich der Wahrheit selbst bewusst unberührt von Tod, Ge­burt und Wiedergeburt.

Er lebt auf höherer Ebene, er beendet das Geben und Nehmen der Kinder, er ist vollkommen erwacht und sieht den wirk­lichen Zustand der trügerischen Welt ganz klar vor sich

Gurmukh-Bhakti (die Hingabe des Gurmukh) wird am Gerichtshof aner­kannt. Er ist in das wahre Shabd vertieft.

Gott nimmt seine Hingabe an, denn er ist von der Farbe des Herrn durchtränkt. In ihm hat sich Gott offenbart, und er lebt in Gott. Seine Sichtweise ist anders als die anderer, er hat die Wahrheit selbst er­kannt.

Tag und Nacht singt er (zum Lob Gott­es), und ohne Schwierigkeiten geht er in seine Heimat.

Immer in die Liebe Gottes vertieft kann er, wann er möchte, in seine wah­re Heimat gehen. Während er hier auf Er­den zum Lob Gottes singt, ist er eins mit Ihm, wenn er heimgeht.

Der wahre Satguru offenbart Shabd. Übe täglich Hingabe und halte deine Auf­merksamkeit auf Ihn gerichtet.

Der Satguru macht den inneren Ton hörbar, der über den fünf Sinnen erklingt. Bhai Gurdas sagte, wenn man den Ton hören möchte, muss man sich über die fünf Elemente erheben. Und je höher man sich erhebt, desto mehr wird einem enthüllt. Nur wer sich hoch genug erhebt, kennt den, der der Höchste ist.

Singt ihr das Lied des Herrn, wird die Tugend der Stille für immer in euch woh­nen.

Der Guru Sahib sagt, er fließt über vor Freude, Sein Naam zu erhalten. Durch Seine Gnade kommt alles zum Blühen. Der, auf dem die Gnade des Meisters ruht, steht beständig in Blüte.