Auszug aus einem Vortrag von Sant Kirpal Singh in Hindi,  SSE, März 1971

Ein Meister spricht in solchen Worten, dass die, die vergessen haben, sie auf ihrer Ebene verstehen können. Er erklärt uns, dass wir bewusste Wesen sind, Seele genannt, dass zwischen uns und Gott kein Unterschied besteht, und dass auch wir Seine Eigenschaften haben, aber im Kleinen.

Durch den Segen des Meisters wird euer wahres Selbst offenbart.

Eine verwirklichte Seele kann euch das für kurze Zeit demonstrieren. Das ist das ausschlaggebende Kriterium, um einen wahren Meister zu finden. Die wahre Bedeutung des Wortes "Guru" ist: "Der die Dunkelheit vertreibt". Welche Art von Meister wünscht sich euer Herz? Kabir stellte sich selbst diese Frage und beantwortete sie so: "Ich möchte einen solchen Satguru, der den Schleier vor meinen Augen beiseite zieht und mir den Herrn zeigt." Wenn man die Augen schließt, sieht man normalerweise Dunkelheit im Innern. Wer auch immer kompetent ist, diesen Schleier der Dunkelheit wegzuziehen und das Licht- und Tonprinzip im Innern zu offenbaren – die beiden Aspekte der wirkenden Gotteskraft – kann tatsächlich ein Guru genannt werden.

Manche lehren äußere Praktiken, und man mag ihnen dankbar sein, doch ihr Herz wird dabei nie von dem Gefühl frei werden, der Handelnde zu sein. Und bedenkt: "Solange man denkt, man sei der Handelnde, wird man weiterhin die Rückwirkungen ernten. – Wie du säst, so wirst du ernten." Gute Taten bringen gute Früchte und schlechte Taten haben unerfreuliche Auswirkungen. So geht das Kommen und Gehen immer weiter, denn beide sind – wie goldene und eiserne Ketten – gleichermaßen bindend für die Seele. Der Kreislauf von Geburt und Tod dreht sich immer weiter, bis man zum bewussten Mitarbeiter am göttlichen Plan wird und weiß, dass Gott selbst der Handelnde ist. Die Krankheit des Ego und des Besitzdenkens muss geheilt und beendet werden, bevor man von Ursache und Wirkung frei wird.

Es gibt ein Heilmittel: "Ego und Verhaftung verbrannten beide durch Shabd. Ein Gurmukh erhält das ewige Licht." Diese Krankheit wird nur durch Shabd besiegt, durch die Verbindung mit der sich zum Ausdruck bringenden Gotteskraft. Und wer erlangt diese Verwirklichung? Wer zum Gurmukh wird. Wer ist ein Gurmukh? Wer dem Guru nahe ist.

Den absoluten, namenlosen Gott, ohne Form, ohne Klang, kann niemand sehen. Es ist ein Zustand, in dem man aufgehen muss. Als Gott sich aber zum Ausdruck brachte, entstanden daraus Licht und Ton.

Wenn jemand sieht, dass Gottes Licht in ihm wirkt und wie das ganze komplizierte Gefüge der Schöpfung durch diese Kraft in Gang gehalten wird, dann verschwindet die Ichheit. Wie könnte dann weiterhin (das Gesetz von) Kommen und Gehen zur Auswirkung kommen? Wenn man bei nichts mehr der Handelnde ist, bleibt man unberührt vom Tun und die Karmas enden. Das ist das letzte Ziel.

Lord Shiva sagte einst: "O Herr, ich weiß, es gibt keinen Unterschied zwischen Dir und mir, aber ich bin Dein, Du bist nicht mein." So wie die Welle Teil des Ozeans ist, der Ozean aber nicht Teil der Welle. So habt ihr den Herrn erfahren, wenn ihr einen Strahl des Lichts erfahrt. Aber bedenkt, der Strahl ist der Strahl und die Sonne die Sonne. Lord Rama fragte seinen großen Ergebenen Hanuman: "Wer bist du?" Er antwortete: "Maharaj, solange ich im physischen Körper bin, bin ich Dein Sklave, wenn ich mich über den Körper erhebe, sind Du und ich eins." Solche Begebenheiten stehen in den heiligen Schriften und sie haben eine bestimmte Bedeutung. Wir alle könnten dieselbe Antwort geben, aber das zu sehen und es zu sagen ist etwas anderes, als das zu lesen und es zu sagen. Die Meister sehen zuerst und dann sprechen sie über das, was sie gesehen haben. Wir dagegen sprechen auf der Ebene des Gemüts und des Intellekts von etwas, das wir nicht gesehen haben, das ist der Unterschied. Ein König mit seiner Armee, dem Staatsschatz und dem Gefolge nennt sich Herrscher, was aber geben die leeren Worte eines Mannes, der weder ein Reich noch Untertanen hat?

Die Vorstellung "Ich bin in allem, da Gott überall ist" ist vollkommen falsch, wenn wir diese Erkenntnis nicht tatsächlich erlangt haben und nicht mit Gott eins geworden sind. Es stimmt, wir alle sind Gott in einem Miniaturausmaß – wir sind alle Gott-im-Menschen und Mensch-in-Gott, aber wir haben diese Tatsache vergessen, so wie wenn wir in einem Traum jemand anderer sind als wenn wir erwachen. Eine Erfahrung der Wahrheit kann man nur in der menschlichen Form erhalten.

"Die ganze Welt vergaß die wahre Lehre, niemand kann ohne Meister ins Jenseits gehen." Und daraus folgt: "Die Anweisungen des Geliebten jenseits dieser Welt kann man ohne den Satguru nicht verstehen." Das ist ein fundamentales Gesetz. Wie kann jemand, der sich selbst nicht erkannt hat, anderen helfen? Durch den Intellekt, auf der Ebene der Sinne kann man vieles entdecken, aber sich selbst zu erkennen ist etwas ganz anderes.

Das erste, das man lernen muss, ist in der Gemeinschaft dessen zu sein, der die Verwirklichung erlangt hat. Es ist ganz natürlich, dass wir alles, was wir lernen wollen, und das gilt auch für den physischen Bereich, von jemandem lernen müssen, der es selbst gemeistert hat. Selbst wenn wir mit einem guten Hintergrund beginnen, ist auch dann weitere Führung sehr notwendig. Aber der Meister muss ein wahrer Meister sein, nicht nur jemand, der so genannt wird – nicht jemand von der Art, die das Wort Meister in Verruf gebracht haben. Wenn ihr heutzutage einen Stein hochhebt, findet man einen "Guru", "Sadhu" oder "Sant" darunter. Wie viele könnt ihr finden, die dem entsprechen, was sie sagen? Seid sehr achtsam bei eurer Suche. Es heißt auch: "Solange ich nicht mit meinen eigenen Augen sehe, kann ich selbst den Worten meines Meisters nicht glauben."

Wenn unser Drittes Auge nicht geöffnet ist um im Inneren sehen zu können – gleich, ob man nun mehr oder weniger Erfahrungen hat – und wir nicht völlig überzeugt sind, dass es im Innern etwas gibt, wie können wir dann vollen Glauben in die Worte des Meisters haben? Sucht jemanden, der wirklich kompetent ist. Ihr werdet viele finden, die euch diese oder jene Praktiken lehren und euch sagen werden, damit solange weiterzumachen, bis die Erleuchtung irgendwann einmal kommen wird. Das sind gute Taten, aber euer Ego wird nicht ausgelöscht werden, solange ihr nicht wirklich eine innere Verbindung habt und zu sehen beginnt.

Er ist ein wahrer Meister, der euch mit Shabd verbindet,
Shabd ist mit nichts vergleichbar,
es ist nur von einem vollkommenen Meister zu erhalten,
zu dessen Füßen ihr Verwirklichung erlangt.

Jemand fragte Kabir, welchen Respekt Er für Sadhus und Sants habe, da es doch auf der Welt so viele davon gebe. Er antwortete: "Alle Sadhus sind auf ihre eigene Art groß, aber ich lege meinen Kopf dem zu Füßen, der Shabd gemeistert hat." Er hört Shabd, ist eins mit Shabd und kann andere damit verbinden. Und wann erhält man einen solchen Meister? "Durch gute Karmas trifft man den Satguru." Wenn Gott Seine Gnade herabregnen lässt, bringt Er den Glücklichen zu dem menschlichen Pol, in dem Er offenbart ist.

Welche Art Yoga lehrt der Satguru? "Er erweist uns den ersehnten Dienst, indem er unsere Aufmerksamkeit mit Shabd verbindet.” Er lehrt uns keine Praktik auf der Ebene des Gemüts, des Verstandes oder der Sinne, sondern verbindet direkt die Aufmerksamkeit mit Shabd, der wirkenden Gotteskraft. Philosophien beschäftigen sich mit Theorien, in der Mystik aber geht es um die Verbindung mit der Wirklichkeit – die Philosophie bewegt sich im Bereich des Intellekts, Mystik dagegen auf der Ebene der Seele. Deshalb sagte Kabir, dass alle Sadhus respektiert werden sollten, aber dass ein gottverwirklichter Mensch es verdient, verehrt zu werden. Ein Mensch, der Gott erkannt hat, wird euch Gotterkenntnis geben. Ein König wird nie wollen, dass sein Sohn als Minister arbeitet, und ein wirklicher Meister möchte von seinen Kindern, dass sie die Stufe erreichen, auf der der Meister ist.

Ihr mögt alle Bücher lesen, die selbstverwirklichte Menschen geschrieben haben oder die über sie geschrieben wurden, aber wirkliches Verstehen wird nur in euer Herz kommen, wenn sie von jemandem erklärt werden, der Selbstverwirklichung erlangt hat.

Diejenigen, die sehen, haben dasselbe Verstehen.

Ihr werdet sehen, dass Intellektuelle verschiedene Auffassungen haben, denn auf der Ebene des Intellekts wird natürlich jeder seine eigenen Schlüsse ziehen, so sagt der eine dies und der andere das. Alle Aussagen, die die früheren Meister über die Wahrheit machten, stimmten überein. Natürlich benutzten sie die Sprache und Ausdrucksweise ihrer Zeit, aber die Fakten sind dieselben. Obwohl es eben in diesen Schriften geschrieben steht, dass man Gott nicht mit Hilfe von Büchern erkennen kann, verbringen viele Menschen ihr ganzes Leben damit in den Büchern zu suchen. Man sollte, was man liest, auch wirklich verstehen.

Alle Meister wiesen darauf hin, dass Gott nicht in steinernen Tempeln wohnt. Wir selbst haben diese Gebäude errichtet – nach unserem eigenen Bild. Der Kirchturm hat die Form einer Nase, das Merabh (Gebetsnische) der Moschee hat die Form der Stirn und die Kuppel der Hindutempel hat die Form des Kopfes. An diesen heiligen Orten werden zwei Symbole aufbewahrt – ein Licht wird entzündet und die Glocke oder ein anderer Ton ist zu hören. Aber "Er, der dieses Haus (den Körper) schuf, gab den Schlüssel dem Meister." Als dieses Haus im Mutterleib geschaffen wurde, war darin keine Maschine, die es erbaute, es wurde durch die Hand Gottes geformt und Er nahm darin Wohnung. In diesem Tempel Gottes – dem menschlichen Körper – schimmert das Licht der Wahrheit. Obwohl wir die äußeren Tempel respektieren, die dazu gedacht sind, dass die Menschen sich dort versammeln um das Lob Gottes zu singen, sollten wir dennoch das Licht in unserem Innern entzünden.

Viele muslimische Fakire (muslimische Heilige) sagten ganz offen, dass nur bei denjenigen, deren Auge nicht geöffnet ist, das aus Ziegel und Mörtel erbaute Gebäude als Moschee gilt. Für verwirklichte Seelen, die ihre Sinne voll unter Kontrolle haben, ist diese physische Form die wahre Moschee. Sie sagten auch, niemand solle sagen, die Kaaba sei besser als ein Tempel. In der Kaaba wird Hazrat Ibrahims "Hajar-ud-Asvad” (der schwarze Stein) als Gedenkstein aufbewahrt, den man voller Verehrung küsst. Aber solche Abbilder oder Gedenkstätten werden an heiligen Plätzen in Erinnerung an Gott aufbewahrt. Die Fakire  sagen auch, dass der Ort, wo Gott offenbart ist, der beste Ort ist, um Ihn zu verehren.

Hört jetzt aufmerksam die Hymne von Guru Amar Das Ji Sahib:
Alles ist im Innern dieses Hauses, nichts ist außen,
mit dem Segen des Meisters wird das innere Tor geöffnet.

Wir leben in diesem Körper, der das Haus der Seele ist. Darüber hinaus haben wir Häuser für dieses Haus errichtet. Er sagt: "Alles ist im Innern dieses Hauses, nichts ist außen." Die ganze Schöpfung liegt darin. "Alles, was Brahmand ist, ist in diesem Körper, wer sucht, wird es finden." Der Makrokosmos ist im Mikrokosmos und wer außerhalb vom Körper sucht, wird es niemals finden. "Etwas liegt an einer bestimmten Stelle und ihr sucht es an einer anderen, wie wollt ihr es jemals bekommen?" Kabir Sahib sagt: "Ihr werdet es nur erkennen, wenn ihr den zu Rate zieht, der dieses Gebiet gemeistert hat." Was ihr auch lernen wollt, schließt euch dem an, der ein Meister auf diesem Gebiet ist. Wenn ihr also jemanden trefft, der wirklich die Spiritualität kennt, dann –

Nehmt ihr den an, der das Wissen hat, offenbart Er täglich den Schatz,
es wäre die Arbeit von Millionen Geburten gewesen, aber Er vollbrachte sie in einer Sekunde.

Mit etwas Aufmerksamkeit von einem kompetenten Meister werdet ihr euch von den äußeren Gegebenheiten zurückziehen und, wie klein die Erfahrung auch sein mag, das Licht wird im Innern erscheinen. Ich erinnere mich, dass Jawaharlal Nehru einmal mit mir über diese Wissenschaft diskutierte und seine Frage war: "Wie kann man davon eine Erfahrung erhalten?" Ich antwortete: "Dadurch, dass euch eine Meditationssitzung gegeben wird." Er fragte: "Wie lange dauert das?" Ich sagte: "Eine halbe Stunde." Die Sache selbst ist in uns, aber der, der es sehen soll, wandert im Äußeren herum und tanzt nach der Melodie des Gemüts und der Sinne. Die Seele erhält ihn (den äußeren Menschen), aber er selbst wird hierhin und dorthin gezogen. Wir waren im Irrtum, so ist unser Zustand – stattdessen hätten wir die Sinne nach unserem Willen arbeiten lassen sollen, denn ohne unsere Aufmerksamkeit können sie nicht wirken.
Durch den Segen des Meisters öffnet sich das Tor, das sich zwischen uns und Gott befindet. In Guru Nanaks Jap Ji Sahib erklärt er uns:

Es gibt eine Wirklichkeit, den Unoffenbarten, der sich offenbart.
Ewig seiend ist Er Naam, der Schöpfer, der alles durchdringt, ohne Furcht, ohne Feindschaft,
der Zeitlose, der Ungeborene und aus sich selbst Bestehende, vollkommen in sich selbst.
Durch die Gnade Seines wahren Dieners, des Meisters, kann Er erkannt werden.

Das, was wir "den Einen" nennen, ist etwas ganz Bestimmtes. Er ist nicht eins, Er ist nicht zwei – das ist nur eine Art an Ihn zu denken, denn wir sind endlich und gebrauchen endliche Ausdrücke. Man kann Ihn nicht preisen, aber es gibt Worte, die versuchen zu beschreiben, dass Er die Wahrheit ist, dass Er Naam, dass Er der Handelnde, dass Er das höchste Wesen ist, das über Geburt und Tod steht. Er wurde nicht geschaffen, sondern existiert aus sich selbst. Und diesen Gott (erlangt man) durch den Segen des Meisters. – "Der Satguru offenbart den Einen." Und der Meister gibt eine Erfahrung von diesem "Einen", der auch die Wahrheit genannt wird, denn der "Eine" entspricht dem Wunsch des Meisters.

Guru Amar Das erlangte das nach einer Suche von mehr als siebzig Jahren, und aus dem, was er geschrieben hat, geht hervor, dass er anscheinend keine Praktiken unerforscht ließ. Als er schließlich sein Ziel erreichte, sagte er, dass er, nachdem er all diese Karmas ausgeführt habe, überaus müde geworden sei und dann sei das Geschenk des Satgurus so einfach gekommen. Ohne gutes Karma kann man dem Satguru nicht begegnen und es geschieht nur durch Gottes Gnade. Er wartet an der Tür, die Er selbst öffnen wird.

Einmal traf ich einen Mann mit einem gewissen spirituellen Ruf, aber er glaubte nicht, dass im Innern des Menschen Licht ist. Er sah es als ausreichend an, die Sonne außen zu sehen und meinte,  im Körper seien nur Fleisch, Knochen, Blut und Schmutz. Und doch erklärten alle großen Meister mit Nachdruck, dass, wenn man das heilige Naam wiederholt, in der menschlichen Form ein Licht in der Stärke von Millionen Sonnen zu sehen ist. Es heißt auch, dass der Meister uns zur Herrin im Haus macht – wie eine Königin – und uns zehn Diener (die fünf materiellen und die fünf feinstofflichen Sinne) zur Verfügung stellt. Die Diener gehorchen aufs Wort, wenn die Herrin die volle Kontrolle hat. Das Ergebnis zeigt sich im Innern, wenn die Sonne in all ihrer Schönheit erscheint. Guru Nanak sagt: "Die Mitternachtssonne ist aufgegangen." Maulana Rumi sagt: "Nur wer die Sonne um Mitternacht sieht, soll kommen und mit mir sprechen, ansonsten verschwendet nicht meine Zeit." Wann sehen wir sie? Wenn wir uns von der äußeren Umgebung zurückziehen, erfahren wir sie in diesem Tempel Gottes, dem menschlichen Körper. "Indem man Naam wiederholt, erstrahlt das Licht von Millionen Sonnen."

Ein Meister ist nicht einfach ein gebildeter Mensch, sondern eine verwirklichte Seele – jemand, der selbst nicht in der Dunkelheit lebt und der den dunklen Schleier von den Augen der anderen beseitigen kann. Das ist das wichtigste Kriterium um einen Meister zu beurteilen.

Ein Mensch kann noch so gebildet sein, ein großer Intellektueller oder Propagandist, aber dennoch in der Dunkelheit leben. "Wie kann einer, der das Licht nicht sieht, es anderen zeigen?" Obwohl das Licht in jedem Wesen brennt, ist es vergleichbar mit einer Lampe, die von vielen Hüllen umgeben ist, sodass kein einziger Lichtstrahl hindurchdringt.

Die Seele ist von vielen Hüllen umgeben; wenn man die erste Hülle entfernt, ist ein Schimmer des Lichts zu sehen. Wird auch die zweite Hülle entfernt, erstrahlt mehr Licht, und so weiter. Wer alle Hüllen beseitigt hat, wird Gottes Licht in seiner vollen Stärke ausstrahlen, und derjenige ist ein wahrer Schüler. Er ist dann ein wahrer Hindu, ein wahrer Sikh, ein wahrer Christ, ein wahrer Muslim etc.

Guru Teg Bahadur Sahib brachte ein Beispiel: Wenn ein Blumenmuster in eine Wand eingraviert ist, bleibt es bestehen, ob es nun regnet oder die Sonne scheint. Wir, die Seele, sind so sehr an die Welt gebunden und zu einem Teil von ihr geworden, dass wir uns nicht davon zurückziehen können. Aber sei es wie es sei, jemand, der seine Aufmerksamkeit unter Kontrolle hat, kann uns mit einem einzigen Blick helfen uns zurückzuziehen. "Der Heilige gab mir den Reichtum." Diesen Reichtum muss man noch vermehren. Ein guter Redner mag die Prinzipien darlegen, wie man ein Geschäft führt und reich wird, aber solange er nicht zumindest ein wenig Kapital dazu gibt, mit dem man beginnen kann, sind diese Informationen für einen armen Mann nutzlos. Ein wahrer Heiliger sagt niemals nur: "Macht nur weiter (mit den Übungen), bis ihr am Ende etwas erhaltet." Ein wahrer Heiliger ist jemand, der ein Anfangskapital gibt, damit man damit beginnen kann. Und wer ist ein solcher Heiliger? Er, in dem Gott selbst sich offenbarte. Gott ist der Geber – nicht die menschliche Form. "Durch den Satguru wirst du Gott erkennen, Bruder." Es heißt auch: "Ohne einen Satguru hat niemand Ihn erkannt." Hunderte Monde und Tausende Sonnen sind im Innern, aber ihr habt nicht die Kraft sie zu sehen.

Trotz so viel strahlenden Lichts herrscht tiefste Dunkelheit,
ohne den Meister herrscht nur Dunkelheit – das ist unbegreiflich,
ohne den Meister ist die Aufmerksamkeit nicht unter Kontrolle
und man kann keine Erlösung erlangen.

Der Meister ist eine große Kraft, er ist Gott-im-Menschen oder Mensch-in-Gott, er ist das personifizierte Wort. "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." Und "Im Meister hat Er selbst Sich manifestiert und verteilt Shabd." Wenn ihr Shabd erhaltet, erhaltet ihr Gott. Die sich zum Ausdruck bringende Gotteskraft nennt man Shabd, und Shabd, das sich im menschlichen Pol offenbart, nennt man Meister. Eis, Dampf und Wasser bestehen alle aus derselben Substanz. "Der Satguru ist in sich selbst vollkommen." Der Satguru ist jene Kraft, die in ihrer eigenen Stärke vollkommen in sich ist. Wenn dieselbe Kraft auf den höheren Ebenen wirkt, nennt man sie Gurudev. Auf der physischen Ebene nennt man sie auch Guru, Sant, Mahatma, Sadhu etc.

Wer ist kompetent von Gott zu erzählen? "Geschichten und Begebenheiten mit Gott kann nur der Meister erzählen." Die Aussagen über den Herrn müssen den Tatsachen entsprechen, nur der Meister ist dazu in der Lage, denn er selbst ist die Wahrheit. Er spricht von dem, was er sieht. "Niemand kennt den Vater, denn der Sohn und wem der Sohn ‚es‘ will offenbaren." Er fügt nichts von außen hinzu, sondern zeigt uns, was bereits in uns liegt, es ist eine Sache der Selbstanalyse. "Trefft ihr den Satguru, beginnt die Umkehr." Zur Zeit sind alle Sinne nach außen gerichtet, aber durch die Kraft des Meisters beginnen alle Sinne sich nach innen zu wenden.

Weiter wurde Guru Amar Das Ji gefragt, wie die Sinne sich nach innen wenden können, und er antwortete: "Wenn ihr einen Satguru trefft, beginnt die Umkehr, aber man kann es nicht erklären."

Man kann das nicht mit Worten erklären, man muss sich hinsetzen und es erfahren. Man fragte ihn auch, was man bei dieser Umkehr erhält, und er antwortete: "Sterbt während des Lebens und ihr werdet es erfahren." Zur Zeit des Todes zieht sich die Aufmerksamkeit zurück, sie zieht sich von den Sinnen zurück und zentriert sich an dem Punkt hinter und zwischen den Augen. Während ihr hier in der Welt lebt, könnt ihr lernen, willentlich zu sterben und ihr könnt jemand werden, der die Mysterien des Jenseits sieht. Lernt zu sterben, damit ihr zu leben beginnt. So wie Christus sagte: "Ihr müsst wiedergeboren werden." Und "Das Königreich Gottes kommt nicht durch äußere Gebärden... das Königreich Gottes ist in euch."


Der Mensch ist ein umgekehrter Baum, dessen Wurzeln nach oben gerichtet sind. Die Wurzeln eines Baumes sind in der Erde und die Zweige erstrecken sich nach oben. Aber die Wurzeln des Menschen gehen nach oben und die Zweige nach unten. Christus sagte den Menschen, dass sie das Kreuz täglich auf sich nehmen sollen. Das bedeutet, was den Körper betrifft, sollte man täglich sterben (sich im Innern täglich über den Körper erheben). Der heilige Paulus sagte: "Ich sterbe täglich." Jeder in der Welt verlässt den Körper zum Zeitpunkt des Todes, willentlich zu sterben aber ist eine natürliche Wissenschaft, ihre Kunst haben wir vergessen. "Der Gurmukh kommt und geht willentlich." Das gilt für den Gurmukh, nicht für den Manmukh (der vom Gemüt beherrscht ist).

Naam wohnt bereits in uns, der vollkommene Satguru zeigt es uns.

Jeder hat den Reichtum von Naam in sich. Und was ist Naam? Gott ist namenlos – Namostung Anamung – das bedeutet, ich verneige mich vor Ihm, der der Namenlose ist. Als der Absolute, der unoffenbarte Gott, sich zum Ausdruck brachte, nannte man es Naam. "Naam erhält Khand und Brahmand" (das bedeutet, das gesamte Universum). Und "Durch Naam kam die ganze Schöpfung ins Sein." So sagt er, dass in uns der Reichtum von Naam – der kontrollierenden Kraft – ist. "O Nanak, alles steht unter der Kontrolle von Naam, durch ein großes Schicksal erhält man es."

Wie kann man Naam erkennen? Als sich die absolute Gotteskraft zum Ausdruck brachte, entstand eine Schwingung, die zwei Aspekte hat: das Licht und das Tonprinzip. "Wiederholt man Naam, kann man das Licht von Millionen Sonnen sehen." Und "Gott bewahrt die juwelenbesetzte Melodie Seines Namens beim Sadhu auf." In dieser Melodie ist Licht und Ton enthalten, ihr müsst euch nur von außen zurückziehen und mit der Hilfe eines kompetenten Meisters werdet ihr sehen und hören. Und solange ihr nicht selbst seht und hört, könnt ihr nicht wirklich glauben. Wie viele Mahatmas könnt ihr finden, die euch diese Erfahrung geben, indem sie euch in Meditation sitzen lassen? Ein Gelehrter wird euch Buchwissen vermitteln, ein Arzt wird euch mit Hilfe der Anatomie und des Sezierens lehren, ein gottverwirklichter Mensch wird euch das Erwachen der Seele durch Selbstanalyse demonstrieren. Nach über siebzig Jahren intensiver Suche erhielt Guru Amar Das diese Verwirklichung zu Füßen Guru Angad Sahibs.

"Das Elixier der Unsterblichkeit ist das Naam des Herrn. Es ist in diesem Körper zu finden." Naam gibt alle Arten des Glücks, aber man muss die Aufmerksamkeit zurückziehen und sich über das Körperbewusstsein erheben. Das Naam, mit dem man dann im Innern in Verbindung kommt, ist von köstlicher Süße, es liegt große Berauschung darin. "Die Berauschung von Naam, O Nanak, macht Tag und Nacht berauscht." Es mag durch eine Vielzahl von Worten benannt werden, es ist aber dieselbe Kraft. "O mein Gemüt, wiederhole das eine Naam, das mein Satguru gegeben hat." Die verschiedenen Namen, die man Gott gab, sind nur dazu da, um sich an Ihn zu erinnern. "Ich verehre alle Deine Namen." Er jedoch ist die Gestalt allen Lichts und wird Guru, Sant, Sadhu, Mahatma etc. genannt.

Die Gedanken dessen, der den Herrn erlangte, sind wie kostbare Juwelen.

Weil er von dem spricht, was er gesehen hat, sind die Gedanken des Meisters von unschätzbarem Wert. Der Sucher, der wirklich den Herrn will, wird Ihn erlangen, denn Er selbst trifft Vorkehrungen dafür, dass der Sucher der Persönlichkeit begegnet, in der Er offenbart ist.

Er öffnet das Auge und zeigt der Seele jenes Fest, das jenseits aller Bindung ist.

Im Innern gibt es das Fest aller Feste: Ein Fest der Juwelen. Wem das Jap Ji Sahib bekannt ist, wird sich an die Worte erinnern: "Im Innern ist das Juwel aller Juwelen. Hört die Lehren des Meisters." Die Art, wie der Meister die Wahrheit beschreibt, ist ganz klar und offen. Es gibt Nahrung für die Hungrigen und Wasser für die Durstigen. Wer immer sich ernsthaft nach dem Herrn sehnt, wird Ihn ganz sicher erlangen.

Viele sagen: "Ich will Gott", aber sie sollten ihren Wunsch analysieren und herausfinden, warum sie Gott wollen. Es wird sich herausstellen, dass sie in Wirklichkeit Gesundheit für ihre Kinder, Reichtum, Name und Ruhm wollen, oder dass ihr Unglück beseitigt wird, oder sie wünschen sich Frieden im künftigen Leben und vieles mehr. Jeder hat ein dringendes Anliegen, niemand möchte wirklich Gott und nur Gott allein. Alle wollen ihre weltlichen Ansprüche erfüllt haben und Gott erfüllt so immer weiter ihre Wünsche.

Vater Kirpal (der Barmherzige) hat bestimmt: Was immer das Kind möchte, soll ihm gegeben werden. (Guru Granth Sahib)

Und wer wirklich den Herrn will, den Herrn allein, dem wird ganz sicher sein Herzenswunsch erfüllt werden. Eine solche, auf ein Ziel ausgerichtete Hingabe, ist die ideale Voraussetzung um den Herrn zu erkennen.

Ich will weder Swarg (den Himmel) noch Vakunt (den höheren Himmel), ich möchte nur zu den Lotusfüßen meines Meisters ruhen.

Wie kann jemand Gott erreichen, wenn er nach der Frucht dieser oder der nächsten Welt verlangt. Ergründet euer Herz und findet heraus, ob ihr wirklich den Herrn wollt! Es gibt dieses wahre Verlangen, aber es ist sehr selten.

Für diejenigen, die die Welt lieben, existiert das Jenseits nicht. Für jene aber, die Sehnsucht haben nach dem Jenseits, haben diese Welt, der Himmel und sogar der höhere Himmel in ihrem Leben keine Bedeutung. Eine ergebene Seele verlangt nur nach der Liebe des Geliebten. Er möchte nur Ihn sehen. Die allerletzten Worte des Guru Granth Sahibs sind: "O Gott, gib mir Deinen Darshan" (Deinen Anblick). Wer den Herrn in allem sieht, ist der Geliebte des Herrn.

Wer in seine wahre Heimat zurückkehrt, erlangt alles Glück,
denn im Innern wird er Brahma (Gott) erkennen
und die Größe Seines Meisters bestätigen.

Wer im Innern eintritt und sein eigenes Haus betritt, erhält Nahrung für die Seele und ewige Freude. Sein zielloses Wandern endet. Guru Amar Das Ji beschrieb: Alle Taten auf der Ebene der Sinne sind, wie wenn man durch das Dreschen von Spreu versucht Korn zu bekommen, das gar nicht da ist. Er sagt auch, dass es ist, wie wenn ein Mann, der von morgens bis nachts gearbeitet hat, nichts bezahlt bekommen hat und müde und unglücklich nach Hause geht. Alle Karmas und Dharmas (Handlungen und rechtschaffene Taten) fallen unter diese Kategorie. Nur durch die Gnade des Meisters kann man Gott im Innern erkennen. So wird die Größe des Meisters unter Beweis gestellt. Das sagt er nicht aus Ego, es ist einfach eine Aussage, die den Tatsachen entspricht. Sie (die Meister) sprechen nicht aus Stolz, sondern bemerken nur: "Ja, wir haben es gesehen." Wenn man sie fragt, ob sie etwas erhalten haben, sagen sie: "Ja, wir haben Gottes Geschenk erhalten." Wer ein Gurmukh wird, wird es auch erhalten. Wenn der Herr es so wünscht, wird Er den Weg zeigen. Indem die Seele Naam wiederholt, beginnt sie zu erstrahlen am Hof des Herrn.
Indem sie Naam wiederholen, kehren sie in ihre wahre Heimat zurück, o Nanak, ihr Antlitz erstrahlt in Freiheit.

Es spielt keine Rolle, welcher Religion, Kaste oder welchem Land man angehört, wer die Verbindung mit dem Herrn erhält, erlangt die Erlösung. Er wird zu dem, wovon die Bücher sprechen, durch die Kraft, die in ihnen nur beschrieben wird.

O mein Gemüt, wiederhole Naam, diesen Reichtum, den der Satguru gegeben hat.

Für wen ist diese Lehre? Alles, was die Meister sagen, ist für alle und jeden. Warum ist das so? Weil alle Lehren der Meister gleich sind. Bleibt also in eurer eigenen Religion, behaltet eure Bräuche bei, aber erfüllt eure wahre Aufgabe, die noch vor euch liegt. Millionäre werden ihre Millionen zurücklassen, die, denen eine Lehmhütte gehört, werden sie verlassen müssen, dieser Körper ist nicht (von innen) mit euch hierher gekommen und er wird euch nicht begleiten, wenn ihr zurückgeht. Aber ihr werdet eure Taten mitnehmen.